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Wir verlassen Irkutsk bei nasskalten 12 Grad morgens um 8.00 Uhr. Der Herbst kündigt sich an, etwas eher in diesem Jahr.  Endlich bekommen auch die letzten Teilnehmer mit, dass es sich bei dem Dunst um Feuchtigkeit handelt und nicht um die in Deutschland propagierten Waldbrände. Obwohl: gestern versicherten einige glaubhaft, Rauch gerochen zu haben. Es steht derzeit in Russland ein Gebiet von der Größe Nordrhein-Westfalens in Flammen. Bedenkt man jedoch, dass Russland 50 mal größer als Deutschland ist, so sind diese Brände mit denen in Lübtheen vor einigen Wochen vergleichbar. Weder Lübtheen noch Hagenow wurden evakuiert und die Autobahn und die anderen Straßen waren jederzeit befahrbar.

Die 250 km über die Hocheben ziehen sich hin. Weites Land mit vielen Herden und tief geduckten Dörfern begleiten uns. Abseits der Straßen gibt es nur Wege über die Steppe. Pferdeherden begegnen uns. Es sind kleinere, aber kräftigere Pferde, als wir sie bei und kennen. Sie sollen sehr ausdauernd sein und weite Strecken überwinden können.

Nach dem Abzweig von der Hauptstraße geht es ins Hochgebirge mit teilweise 1000 m Höhe.  Auf den Ebenen meint man in den Hochalpen zu sein. In den hügeligen Waldgebieten kann man relaxen, denn die Straße ist gut. Als ich vor 15 Jahren hier war, war diese Strecke für Motorräder unpassierbar und wir sind mit Bus bzw. Taxi gefahren. Heute kann man diese Strecke sogar mit der Harley schaffen. Uns begegnet ein Pärchen mit einer Gold-Wing.

An der Fähre muss ich erwartungsgemäß etwas warten. Ich vertreibe mir die 1,5 Stunden so gut es geht. Nach der Überfahrt gibt es nur Piste. Aber irgendwie schaffen auch alle diese 35 km. Zwar fallen einige um, aber es gibt keine ernsthaften gesundheitlichen oder technische Schäden. Obwohl: gesundheitliche Schäden ließen sich hier eher reparieren!

Die Insel Olchon ist bekannt als spirituelles Zentrum im Baikalsee. Ich bin erstaunt, wie viele Leute auf die Insel wollen. 40 Fahrzeuge waren an der Fähre vor mir und der Hauptansturm kommt noch. Am Wegesrand die ganzen Stelen mit Flatterbändern für die Touristen und die Steinstapel aufgebaut. So viele heilige Stätten kann es garnicht geben! Als ich kurz vor dem Ort bin, wird mir das Ausmaß des Massentourismus deutlich. Dass in den Gärten 2-5 kleine Hütten stehen, mag ich noch akzeptieren. Aber richtige Hotels und ganze „Burganlagen“ für Touristen sind mir für die Insel doch etwas zu viel. Hinzu kommen die vielen Camper, die entweder wild im Gelände an einer der Buchten oder auf offiziellen Campingplätzen zelten. Vor 15 Jahren gab es in der ganzen Gegend nur eine Übernachtungsmöglichkeit und viele Privatquartiere. Jetzt steht auf dem Gelände des Fischkombinates ein großes Zirkuszelt. Das Museum ist verschwunden. Sandstrände sind aufgeschüttet. Hinter einem Berg steht unser „Territorium“. Ein Komplex aus 100 Hütten, Swimmingpool, Sauna, schnellem kostenlosem Internet, Restaurant, Kofferservice und Bar - alles im mindestens 3 Sterne Niveau. Ich bin ein wenig erschüttert, nehme es aber hin und genieße den Ausblick auf den kleinen Baikal. 

Das Abendessen ist gemeinsam mit den Chinesen im Restaurant. 

 

  

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Wir verlassen Sajansk, eine Kleinstadt mit 40 000 Einwohnern und einem Chemiewerk mitten in der Taiga. Nach den schönen Erlebnissen des gestrigen Abends bedauern wir es nicht, dass das erste Hotel am Platze keine Zimmermehr hatten. Eventuell werden wir bei einer kommenden Reise hier Station machen. Statt dessen machen wir Frühstück in einem Dorf an der Trasse. Hier befindet sich eine Broiler-Farm in der Nähe. Im angrenzenden landwirtschaftlichen Zentrum werden die Produkte vermarktet, einschließlich anderer landwirtschaftlicher Produkte der Region. Also fällt unser Frühstück deftig aus. Später, beim Tanken, erblicken wir den buddhistischen Tempel, an dem wir beinahe vorbei gefahren wären. Natürlich machen wir auch hier einen Abstecher. Ich komme mir doof vor, denn von dieser Religion, die der monotheistischen zugerechnet wird, weiss ich Nichts. Ein Teilnehmer weiss wenigstens, dass die Buddhisten am Völkermord an den islamischen Royja in Myramar Schuld sind.  

Irgendwann erreichen wir die Millionenstadt Irkutsk. Es wird ein wenig ruppiger gefahren und mehr auf Tuchfühlung. Das kenne ich bereits von anderen Reisen, trotzdem ist es gewöhnungsbedürftig. Das Hotel Angara ist ein Zweckbau aus alten Zeiten direkt in der Nähe des Rathauses. Heute ist man auf modernem internationalem Standard bedacht. Jürgen macht mit den Teilnehmern einen Stadtrundgang. Ich versuche zur Ruhe zu kommen. Trotzdem schaffe ich es nicht, Bilder zu sortieren oder Beiträge im Internet einzustellen. Auf Anraten von Jürgen überarbeite ich einen alten Beitrag. Ich korrigiere, dass wir nur 480 km statt maximal 600 fahren und streiche, dass in Byngi der letzte Ruhetag sei, denn es gibt mehrere Orte mit zwei Übernachtungen. Viele Teilnehmer leiden unter den körperlichen Anstrengungen. Nicht jeder ist mehr körperlich in der Lage, auf der Straße sicher zu wenden oder sein Fahrzeug sicher rückwärts zu bewegen. Einige haben sich auch bei diesen Temperaturen verkühlt. Zum Abendbrot gibt es: Schnitzel. Wir beschließen am nächsten Tag eher loszufahren, um nicht stundenlang an der Fähre warten zu müssen. Die Temperaturen liegen bei angenehmen 25 Grad, aber es weht ein kalter Wind.

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Na ja, Frühstück war schon mal besser. Einigkeit besteht darin, dass es die richtige Entscheidung war, hier im Motel abzusteigen. Besonders als wir die zweite Hälfte der Umgehungsstraße befahren. Auf 15 km geht es über festgefahrenen Grobsplitt. Ca. 500 LKW quälen sich hier täglich durch, die anderen 500 fahren lieber durch die engen und unübersichtlichen Straßen der Stadt! Doch danach sind ihr wieder in der Taiga und genießen die frei Fahrt und die Natur.

Es soll gemütlich zugehen, heute. Und so halten wir in einem der wenigen Dörfer an. Es muss ein großes Dorf sein, denn es gibt einen Marktplatz, ein Kriegerdenkmal und einen Polizeiposten. Der Marktplatz wird beherrscht von Billigbekleidung und Früchten. Selbst hier kann man Weintrauben kaufen. Nur scheint der Preis von 2,50 € je kg nicht wirklich attraktiv zu sein. Immerhin bekommt man dafür eine ganze Wassermelone. Auch die Interessenten für die Bekleidungsgegenstände sehen nicht so aus, als wenn es bei ihnen jede Woche ein oder mehrmals Fleisch zu essen gäbe. 

An Straßenrand finde ich ein nettes Plätzchen für unsere Pause und obwohl der Verkehr vorbei rauscht, fühlen wir uns mitten in der Taiga!

Wir kommen an einer Unfallstelle vorbei. Die LKW fahren ja zivilisiert, davon gibt es nur ganz selten Ausnahmen. Aber der „normale“ sibirische Autofahrer ist nicht in der Lage, insbesondere bei Dämmerung und in der Dunkelheit, die Spur zu halten und die Entfernungen auf den riesigen Geraden richtig einzuschätzen. Und folgerichtig passieren die meisten Unfälle beim Überholen! In diesem Falle kam der PKW mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit an und wechselte in den Sicherheitsabstand zweier LKW. Der Bremsvorgang war zu stark, so dass der PKW vom LKW erfasst und in den Straßengraben geschleudert wurde. Es ist erst der zweite Unfall, den wir sehen!

In Taischet relaxen wir. Die Gruppe ist auf Exkursion. Ist auch mal nett, seine Sachen in Ruhe ordnen zu können.

Abends geht es mit 15 Personen zu Igor zum Abendessen. Igor war früher Lehrer. Als das Gehalt unregelmäßig gezahlt wurde hat er den Job gekündigt. Jetzt macht er in Tourismus. Er kennt viele Leute und die regionalen Probleme. Ja der Raubbau an der Taiga durch Chinesen ist ein existenzbedrohendes Problem, das viele Russen inzwischen erkannt haben. Aber die Taiga ist groß! Und auch die gegenwärtigen Waldbrände sind nicht durch Blitzschlag entstanden, das pfeifen hier sogar die Spatzen von den Dächern. Durch solch einen Brand lässt sich hervorragend vertuschen, wie viel Holz vor dem Brand „verschwunden“ ist. 

Unser Abschied von Igor fällt schwer. Es sind kurze und intensive Momente der Begegnung. Das letzte mal haben wir uns vor 4 Jahren gesehen, so hat er recherchiert! Eventuell gibt es im nächsten Jahr ein Wiedersehen.

 

 

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Das Hotel in Taischet ist gegenüber vom Bahnhof. Es sind überwiegend Eisenbahner, die hier übernachten. Alles befindet sich im ordentlichem, aber technisch desolatem Zustand. Einfache Zimmertüren, deren Schnappschloss nicht funktioniert. Wackelnde Wasserhähne. Treppen mit unterschiedlich hohen Stufen, einschließlich halben Stufen. Frühstücksraum wie in der Mitropa. Restaurant eingedeckt, aber nicht für Hotelgäste! Inzwischen nehmen auch unsere Teilnehmer das nur so hin. Man hat inzwischen mitbekommen was es heisst, im tiefsten Russland zu sein.

Igor kommt noch rechtzeitig zur Abfahrt. Er machte einen aufgeräumten Eindruck. Ich verspreche,  im nächsten Jahr wiederzukommen.

Wenn man mit offenen Augen durch die Gegend fährt, merkt man wie empfindlich die Taiga ist. Man sieht große Stellen, an denen Holz geschlagen wurde und die erst langsam auf natürliche Weise wieder zuwachsen. Das späte, nasse Frühjahr hat besonders an den Straßen Schäden an den Nadelbäumen hinterlassen. Viele habe große braune Stellen. Insgesamt ist die Gegend aber hügelig und bezaubernd schön. Das asiatische Highway ist hier zwar nur zweispurig, aber die Kurven sind unendlich weit gezogen. Bis in den späten Nachmittag hinein hält sich in den Tälern der Dunst.

An einer Stelle, die Jürgen und ich schon lange kennen, machen wir Rast. Es ist der „Dorfteich“ eines kleinen sibirischen Dorfes. Der Teich mag 1 ha groß sein und das Dorf hat ca. 2000 Einwohner und ist in keiner unserer Karten verzeichnet. Wir genießen eine Stunde lang die Ruhe und die Natur, bevor es weiter geht. Die mitgebrachte Melone schmeckt gleich ganz anders.

Wir kommen immer tiefer in das Sibirische Land hinein. Die Hauptstraße führt hier teilweise noch durch die Dörfer, in denen wir das Leben der Menschen erahnen können. Wie muss es erst in den Wäldern aussehen? Die Flüsse führen gut Wasser. Obwohl wir Hochsommer haben die die Flussbetten voll. Es wird viel Viehwirtschaft betrieben. 

Tulun war Anfang Juli in vielen Nachrichten in Deutschland ein Thema. Über 1000 Häuser wurden zerstört, als nach starken Regenfällen ein Damm in der Nähe der Stadt brach. Die Magistrale (Hautverkehrsstraße), welche die einzige Ost-West-Verbindung in Russland ist, musste für einige Tage gesperrt werden. Gerade als die Menschen mit den Aufräumen beginnen konnten, denn vorher muss alles für die Versicherung dokumentiert werden, kamen weitere starke Regenfälle, die die Stadt wiederum überfluteten. Zwar war diese Flutwelle nicht so hoch, aber viele Betriebe können nicht arbeiten und die Menschen sind arbeitslos. Um Plünderern das Handwerk zu erschweren hat die Regierung den Zivilschutz und die Armee in die Stadt geschickt.  Und so kommen wir am frühen Nachmittag Stadt

Wir fahren zügig und müssen den Besuch bei einem der weltweit größten Schaufelbagger an der Straße streichen. Der Bagger steht hier als strategische Reserve und wird überwiegend von Frauen bewacht. Wir fahren an Seen vorbei, die hier durch den Tagebau an Kohle entstanden sind.

 In Sajansk angekommen entpuppt sich dieses Hotel als Hostel.Die Gesichter sind lang, als es darum geht wer in einem 6-er Apartment übernachten soll. (Viele haben Einzelzimmer gebucht!) Dann aber freundlichere Gesichter, weil es sich um Wohneinheiten handelt, und in jedem Zimmer 2 Betten stehen. Die Motorräder bringen wir in einem bewachtem Parkplatz unter. In seiner Nähe befindet sich ein nettes Café, in dem wir zu Abend essen können. Leider haben sie nicht genügend Bier, so dass ich etwas vom Supermarkt kaufen muss. Die Kellner sehen das nicht gerne, aber der Besitzer erlaubt es und gut. Wir essen Schaschlik, so wie ich es in Russland und überall kenne. Nacheinander wird aufgetischt und langsam gegessen, denn es findet ja keine Raubtier-Fütterung statt. Zumindest ich schlafe ruhig und zufrieden ein.

 

 

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Ich muss gegen meinem Willen Fiebertabletten schlucken, ein Nachteil wenn man 3 Ärzte und 3 Krankenschwestern in der Gruppe hat. Das Frühstück findet im Restaurant statt. 3 Kellner bedienen das Buffet, in dem sich nie mehr als 5 Gäste aufhalten. 

Großes Hallo auf dem Parkplatz! Die „Centaur24“ hatten vorgestern Club-Geburtstag. Der Vorsitzende ist zusammen mit Alexander gekommen um mir ein kleines Präsent zu überbringen. Mischa ist bekannt, aber heute nicht dabei. Er muss arbeiten. Großes Hallo, nette Geste. Natürlich bekommt jeder von uns auch einen Aufkleber! Große Augen, als Jürgen ein T-Shirt von den „Wild Sibirians“ bekommt.

Wieder einmal darf ich eine Extra Tour machen. Wir fahren zu BMW. Sie seien sehr kooperativ, sagt Jürgen. Gegen 10.00 treffen wir ein. Gegen 13.00 ist der Fehler lokalisiert: vermutlich die Elektronik der Benzinpumpe, wie bei nahezu allen Zweizylindermaschinen F650GS weltweit, die bei Temperaturen über 30 Grad fahren müssen. 15.00 sind wir auf Strecke und stellen fest, dass der gleiche Fehler weiter besteht. Der ganze Block wird zerlegt und die Benzinpumpe mit angehängtem Filter als Ursache gefunden. Der Kunde möchte eine neue Benzinpumpe, aber die hat BMW nicht. Und so weit geht die Kooperation auch nicht, dass man telefoniert, wo es solch ein Teil gäbe. Da ist man eben BMW! Wir telefonieren mit dem ADAC und anderen Adressen. Nach einer Stunde Rätselraten steht es fest: Alexander muss wieder her. Dann beginnt die Diplomatie hinter den Kulissen: Der Kunde möchte einen Benzinpumpe, man hat keine Benzinpumpe, kann auch keine besorgen. Aber man hat den ganzen Block, etwas anderes liefert BMW nicht. Nur der ist so sündhaft teuer, dass man dem Kunden, der ja nur die deutlich preiswertere Benzinpumpe will, den Preis nicht zumutenden möchte. Als ich die Summe sehe, lache ich und verspreche, dass sie ihr Geld bekommen werden. Das Teil kostet ca. 500 Euro, mit Einbau 550 Euro! Kurz nach 18.00 sind wir auf der Strecke. Der Werkstattleiter ist gleichzeitig der einzige Monteur und bekommt 20 Euro „Backschisch“. Dafür soll er seiner Frau Blumen kaufen!

Wir fahren vor einem Unwetter daher. Es wird dunkel. Etwa auf der Hälfte der Strecke nehmen wir uns ein Motel. Es ist sauber. Das Doppelzimmer geht an die Gäste und ich nehme das große  Kraftfahrerzimmer ohne Dusche und Toilette. Das Restaurant hat bis 3 Uhr auf, so dass wir unseren Flüssigkeitsspiegel anheben können. Zum Glück waren es am Nachmittag nur kurz über 30 Grad.

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