Facebook Like

   

Abenteuer 2018-19

20

ZwanzigTage Urlaub in einem Stück, davon träumen in Deutschland viele Menschen. Manche von ihnen können oder  wollen nicht verreisen. Ich sitze hier und weiß nicht, wie ich es schaffe mir alles Interessante und Sehenswert anzusehen. Zu viel möchte ich sehen aber die Zeit reicht nicht aus. Na ja, für die übliche Touristen-Meile hat es heute wieder gereicht. Um das „Nachtleben“ zu genießen liegt das Hotel zu weit vom Zentrum entfernt. Außerdem soll es morgen den ganzen Tag kräftig regnen. Da gilt es schon am Nachmittag die Sachen gut zu verpacken. Es ist zwar morgen nur eine kurze Strecke von ca. 300 km, aber das kann schon reichen, dass alle Sachen im BMW Koffer nass sind. Und wir haben keinen Ruhetag mehr. Aber jetzt geht es Schlag auf Schlag!

21

Ich hätte beinahe verschlafen, komme aber pünktlich kurz vor 9 Uhr zum Frühstück. Es hatte ein wenig genieselt, so dass wir zum Europa-Park fahren können. Auf ca. 50 ha stehen hie 100 Skulpturen verschiedener Künstler aus aller Welt. Ein wenig die Seele baumeln lassen, denn die Skulpturen lassen viel Spielraum für Gedanken offen. Durch herrliche und kurvenreiche Straßen geht es die ersten 80 km bis zur Autobahn. Dann fängt der erwartete Regen an. Wir müssen eine Wetterfront von über 100 km durchqueren, in der einiger Regen fällt. Deswegen lassen wir Tauroggen aus. Das Denkmal könnte ich aus dem Kopf nicht wiederfinden und weil das Interesse eher mäßig war, habe ich mich auch nicht sachkundig gemacht. So bleibt dieses Symbol deutscher Zivilcourage und Verständigung über geistige, militärische und politische Grenzen hinweg zum Wohle von tausenden Menschen in meinem Gedächtnis. Zweimal war ich schon da und jedes Mal war ich erfreut über den Obelisk, den die Nachkommen der Feldherren York und Diebitsch hier aufstellen haben lassen. Wenn ich sage, dass wir den Rhythmus gefunden haben, dann gehört auch die abendliche Streckenplanung für den nächsten Tag dazu. Weil aber auf der heutigen Strecke nicht viel los ist und morgen der Höhepunkt dieser Tour sein soll, checken wir um 16 Uhr im Hotel in einem Vorort von Kleipeda ein und beginnen die Vorbereitungen. Gegen Abend gehört ein Kurzbesuch des Zentrums von Memel dazu. Auf dem Theaterplatz singen wir zwar nicht das Lied vom Ännchen von Tharau, aber lassen es uns gut gehen.

22

Entspannt genießen wir das Frühstück. Eine kleine Wetterfront soll uns heute am Nachmittag für 2 Stunden lahmlegen. Aber entspannt fahren wir durch die Altstadt von Memel/Kleipeda und brachen an der Fähre zur Nehrung nicht warten. Auf der anderen Seite genießen wir die Landschaft. Die 50 km bis zur Grenze fahren sich schön. Als Lübecker gehört es dazu, im Grenzort Nidden/Nidda das Sommerhaus von Thomas Mann zu besuchen. Wie nicht anders zu erwarten ist gerade eine deutsche Reisegruppe eingetroffen, der wir uns anschließen.

Unmittelbar nach der Grenze, deren Übertritt überraschend schnell in etwas mehr als ½ Stunde dauert, fängt der Regen an. Die Besichtigung der großen Düne fällt damit buchstäblich „in das Wasser“. Völlig durchnässt erreichen wir nach weiteren 40 km das Ende des russischen Nationalparks. Seltsamerweise hat es hier kaum geregnet. Es macht keinen Sinn, die 40 km zurück zu fahren um die Düne zu sehen. Also fahren wir nach Königsberg/Kaliningrad. Das Hotel ist ein IBIS und recht gut. Nach dem Akklimatisieren treffen wir uns kurz vor 20 Uhr zum Bummel und Abendessen. Es ist viel los, an diesem Sonntagabend. Trotzdem wirkt diese Stadt auf uns trostlos und unorganisiert. Als ich erzähle, wo das Schloss gestanden hat, welches einst der Glanz Preussens und Deutschlands war, ist die Nachdenklichkeit groß. Seit über 20 Jahren steht auf dem planierten Gelände eine Hochhaus-Bauruine. Wir essen im deutschen Restaurant zu Abend. Leider ist kein deutscher Gast anwesend. Bereits kurz nach 22 Uhr sind wir wieder im Hotel. Dort erreicht mich der Anruf der Rezeption. Bei der Durchsicht der Meldeunterlagen hat das Hotel festgestellt, dass Petras Visum nur noch heute gültig ist. Zunächst nehme ich es als Scherz und rechne mit der Kulanz der Behörden. Trotzdem rufe ich sicherheitshalber die Notfallhotline der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Moskau an. Deren Auskünfte veranlassen uns sofort alle Sachen zu packen und das Land noch vor 24 Uhr zu verlassen. Diese Geschichte gehört zu den größten Abenteuern meines Lebens! Das Glück ist uns hold und wir erreichen mit Benzin für 20 km und weniger als 5 Minuten vor Mitternacht die polnische Grenze.

23

Da stehen wir nun. Bis zum nächsten kleinen Ort sind es 15 km. Benzin reicht für 20 km. Die Kontrolle auf polnischer Seite war sehr streng, denn wer kommt „auf dem letzten Drücker“ noch über die Grenze?! Wir haben kein polnisches Geld und können nicht telefonieren. Also los. Im Ort gibt es zwei Hotels. Beim ersten klopfen wir die Nachtwache raus und werden abgewiesen. Beim zweiten haben wir mehr Glück.

Der Rest ist schnell erzählt. Meine Kreditkarte ist gesperrt worden. Zum Glück habe ich noch die Visa-Card und kann tanken. Bei schönem Wetter gehen wir auf die Strecke. In der Nähe von Elbing/Elblag trennen wir uns. Ich habe von vornherein keine Lust gehabt noch eine Übernachtung in Danzig zu machen. Die 800 km von der Grenze bis nach Hause kann man auch in einem Stück durchfahren. Petra bleibt in Danzig. Sie will noch was erledigen. Anscheinend war die gesamte Tour für sie sehr anstrengend, denn sie muss danach noch einmal Zwischenübernachten. Ich komme mit vielen Pausen nachts um 22.30 zu Hause an. Wie immer nach solchen Touren bin ich „etwas“ durchgefroren, denn die letzten 100 km hatte es wieder geregnet. Tja, das wars denn auch!

Abenteuer 2018-19

19

Vieles kannte ich schon dank der Reisen mit Jürgen Grieschat (www.mottouren.de). Dadurch viel es mir leichter, die Ziele des heutigen Tages auszuwählen. Salapils wollte ich unbedingt sehen. Es ist immer wieder beeindruckend am Metronom zu sitzen und über den Park mit den Skulpturen zu schauen. Sapere aude ist ein lateinisches Sprichwort und bedeutet „Wage es, weise zu sein!“ Auch heute gibt es zu viele hochgebildete „Befehlsempfänger“, die unfähig sind sich mit ihren eigenen Gesetzen zu beschäftigen. Auch der Statthalter von Riga war „nur Befehlsempfänger“ und setzte die Beschlüsse der Wannsee-Konferenz durch, ohne dass es dazu eine gesetzliche Bestimmung gab.

Zweite Station ist der Kontrapunkt: Rundäle Pils. Als Livland russisch wurde war es modern, sich hier nach dem Vorbild der Deutschen ein kleines Sommerhäuschen oder Herrenhaus hinzusetzen. So setzte sich der russische Statthalter mal eben dieses Schloss im Rokoko und Barock hin. Heute zählt dieses „Versailles des Nordens“ zu den bedeutendsten Baudenkmälern Lettlands. Bescheiden hat das Schloss 138 Zimmer auf gut 7000 m² Wohnfläche. Im Park stehen über 300 000 Linden.

Dann ging es weiter. Alle Leute in Deutschland schimpfen über Grenzkontrollen. Aber wenn ich erzähle, dass die Grenzen im Baltikum genauso sind wie zwischen Deutschland und Österreich, dann werde ich müde belächelt. Na gut, machen wir eben einen Stopp um das zu genießen. Wird ja bald wieder anders sein, wenn wir nach Königsberg bzw. Kaliningrad reinfahren.

Den Berg der Kreuze zu erklären geht weit in den katholischen Glauben und die Gefühlswelt in Sarmatien hinein. Man kann es auch einfach auf sich wirken lassen, wenn man möchte. Diese Stätte ist so bedeutsam, dass alles für den kommenden Papst-Besuch in wenigen Wochen vorbereitet wird. Johannes Paul (Woitila) war 1993 hier und jetzt besucht Franziskus das Baltikum anlässlich des 100. Jahrestages der ersten Unabhängigkeit.

Danach müssen wir „Strecke machen“ ca. 200 km Autobahn ohne eine Raststätte oder Parkplatz. Zum Glück haben wir kurz vorher getankt. Es ist schon spät (18 Uhr) und Petra möchte in das Hotel. Aber bei 25 Grad und keine Wolke am Himmel muss man die Zeit nutzen. Also fahren wir noch zum geografischen Mittelpunkt Europas. Wer das nicht glaubt darf sich mal eine Europa-Karte vornehmen (ist in Deutschland nicht leicht zu bekommen!). Na gut, man hätte heute noch mehr machen können, aber es geht auf dieser Reise darum, einen Einblick in diese Länder zu erhalten. Reisen mit dem Motorrad ist nun mal sehr harter Sport und verlangt eine intensive und lange Vorbereitung was Kultur, Sehenswürdigkeiten und Straßenverhältnisse angeht. Oder man bucht (für viel Geld) einen Guide!

Abenteuer 2018-19

18

Langsam kommt Rhythmus in diese Reise. Frühstück etwas später, dann in die Stadt, Sightseeing. Zuerst schließen wir uns einer deutschen Reisegruppe an und dann versuchen wir es auf eigene Faust. Die Touristeninfo befindet sich an einem zentralen Ort, in der Nähe des Schwarzhäupterhauses. Wir besuchen ein kleines Orgelkurzkonzert, machen eine Turmbesteigung bei schönem Wetter und essen zu Mittag in einem historischen Lokal. Danach laufen wir nochmal die eine oder andere Ecke ab, denn so groß ist die Altstadt von Riga nicht. Das war es dann auch schon. Berichte schreiben, emails checken, Route programmieren und dann auch schon Nachtruhe. Ein normaler Tag also!

Abenteuer 2018-19

17

Endlich mal ein Tag nach meinem Geschmack, wenn auch mit etwas „Holpern“. Sofort nach dem Frühstück und dem Packen geht es nochmal in das Zentrum. Ich bin bereits zum 4. Mal in Tallinn und habe noch nicht den „Totentanz“ in der Nicolai-Kirche gesehen. Im Gegensatz zu dem in der Marienkirche in Lübeck ist dieses identische Gemälde auch noch nach zwei Bombenangriffen erhalten geblieben. Der Wachmann lässt unsere Motorräder vor der Kirche stehen weil ich versichere nur ein Foto machen zu wollen. Danach geht es weiter zum Wasserfall nach Keila. Natürlich sind die Fälle in Schaffhausen schöner, aber hier sind wir in Estland und vor uns liegt der breiteste Wasserfall und der dritthöchste des Landes mit 6 m Unterschied.

Das Wetter ist sehr stark bewölkt und manchmal mischt sich ein Regentropfen mit rein. Gute Motorradbekleidung kann diesen Temperatursturz von 20 auf 14 Grad gut ab und auch die Feuchtigkeit stellt kein Problem dar. Sonntagsfahrer, die uns entgegen kommen, sind dick eingepackt in Vollgummi.

Eine Vogelfangstation fängt Vögel und anschließend werden sie mit Ringen versehen und freigelassen. Nur so ist das Verhalten der Vögel und die ungefähre Anzahl derselben zu ermitteln. Solche Stationen haben wir in Deutschland natürlich auch, nur hier im Baltikum sind die häufiger. So sind nachweislich die Populationen einiger Vogelarten um 80% zurück gegangen. Sehr idyllisch liegt diese Station an der Ostsee. Leider ist sie auf Grund der Lage nur im Frühjahr in Betrieb und so verführt die Ostsee zu einem Spaziergang.

Beinahe hätten wir es verpasst, das Wohnhaus des Barons von Münchhausen zu sehen. Aber 5 Minuten vor Kassenschluss dürfen wir noch in das Haus. Es ist alles da, sein Schlafzimmer, sein Arbeitszimmer, Exponate aus seinen Geschichten, der Ausstellungsaal mit den literarischen Werken aus der Weltliteratur. Deplatziert ist das Wachsfigurenkabinett im oberen Teil, aber Touristen mögen es.

Unser Hotel liegt in Riga in einem der üblichen Vororte. Wer noch nie in Russland war wird diese Gegenden meiden und auch Petra folgte nur wiederwillig. Andererseits bietet es für 30 Euro mehr als gestern das Hotel in Tallinn für 60 Euro. Aber auch hier gibt es kein Restaurant, so dass eine Imbissbude fernab für die haute cuisine herhalten muss.

Ich bin zufrieden mit dem Tag. Nicht nur weil alles geklappt hat, sondern weil sich die intensive Vorbereitung gestern gelohnt hat.

   

Visitors Counter

182177
HeuteHeute57
GesternGestern202
Diese WocheDiese Woche532
Dieser MonatDieser Monat2804
20132013182177
US
UNITED STATES
US

This page uses the IP-to-Country Database provided by WebHosting.Info (http://www.webhosting.info), available from http://ip-to-country.webhosting.info