Facebook Like

   

37. Tag 2017

37. Tag

Ich habe in diesem fensterlosen Raum gut geschlafen. War doch nicht so schlimm wie ich es befürchtet hatte. Das Frühstück ist einfach: Eine Sorte Wurst, der salzige Käse, gekochte Eier, Gurke und Tomate. Ansonsten Pulverkaffeee, Kuchen, saure Sahne und „russisches Brot“ (das ist angebratenes Weißbrot). Ich erreiche pünktlich die Zusteigestelle. Der Reiseleiter ist gut drauf. Der vollklimatisierte Mercedes-Minibus hat 18 nummerierte Plätze, die nach der letzten Zusteigestelle auch alle besetzt sind. 2/3 Russen und der Rest englisch-sprechend (wozu ich mich auch einfach zähle).

Die erste Station ist nach 30 km eine Weinprobe. Na gut, als Wein kann man das verkaufen. Überhaupt hat Georgien ein Problem. Kellermeister gibt es nicht, weil man das nicht studieren kann. Und so mixt jeder selbst seinen Kram und wenn er besonders bitter schmeckt ist es eben eine Delikatesse! Es wird bemängelt, dass georgische Weine in Europa nicht bekannt sind. Dass man aber nicht in der Lage ist die gewünschten Mengen in gleichbleibender Qualität zu liefern, weil hier alles Familienbetriebe sind, wird verschwiegen. Na gut, die Preise sind in Ordnung: ein Wein der im Geschäft 10 Lari (3 Euro) kostet wird hier für 2,50 Lari verkauft, wenn man sein eigenes Gefäß mitbringt.

Es geht nach Bodbo. Nach der Überlieferung wurde das Kloster dort errichtet, wo die heilige Nino begraben wurde. Der Überlieferung zufolge brachte Nino das Christentum nach Georgien und wird daher als Apostelgleiche betrachtet und mit dem Titel "Erleuchterin Georgiens" geehrt. Von dem Bau aus dem 4. Jahrhundert ist Nichts mehr zu sehen. Die heutige Kapelle ist im 17. Und im 19. Jahrhundert modifiziert worden. Führende russische Künstler der damaligen Zeit haben die Fresken im griechischen Stil gemalt. Auch der Glockenturm, der hier üblicherweise abseits steht, ist unverkennbar nicht von hier. All das genügt, dass man gleich daneben eine neue Kapelle baut, die auch schon fast fertig ist. Natürlich größer und schöner, denn mit den Russen mag man hier nicht in Verbindung gebracht werden. Religiöse Erneuerung habe ich das gestern genannt.

Nur rund 2 km entfernt vom Bodbe Kloster liegt die beschauliche Kleinstadt Sighnaghi, in der zahlreiche Gebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert sehen, die mit viel Liebe zum Detail restauriert wurden. Hauptstraße, Stadtmauer, Mittagessen im Ethno-Park. Von dem bekommen wir zwar nicht viel mit, aber der Ausblick von der Terrasse des Restaurants ist sehr schön. Hauptattraktion in dieser Stadt ist es, mit dem Quad, Buggi oder Motorrad zu fahren. Um das nutzen zu können bekommen wir 45 Minuten Freizeit. Die Rückfahrt ist eher schläfrig. Die Russinnen „baggern“ mit dem Reiseführer. Pünktlich um 18.00 sind wir wieder zurück.

Es ist Feiertag heute. Bereits um 9.00 waren die Kirchen so voll, dass die Leute draußen stehen mussten. Es ist der höchste Feiertag hierzulande – Maria Himmelfahrt. Die Armenische Kirche begeht diesen Tag bereits 2 Wochen eher und läutet damit die Weinlese ein. Hierzulande wird an allen Ecken geschlachtet, denn es ist immer noch üblich Tieropfer zu bringen. Besonders in den Bergen ist dieser Brauch weit verbreitet. Deshalb startet Rainer Kaufmann wenn möglich seine Touren immer mit diesem Programmpunkt: Marienwallfahrt zum Kasbeck! Auch als ich am Abend noch bei einer Kirche vorbeigehe ist die Messe im vollen Gange und die Kirche ist gut zur Hälfte gefüllt. Hinter der Ikonenwand, die deutlich kleiner ist als in der russischen Kirche und auch nur eine Reihe hat, zelebrieren die Priester die Messe und singen die Liturgie teilweise dreistimmig. Obwohl ich sonst sehr ergriffen bin hält es mich heute nicht lange in der Messe. Die Luft ist stickig, von den vielen Leuten, die heute hier teilweise über Stunden der Messe gelauscht haben. Sitzplätze gibt es nur wenige, man muss die ganze Zeit stehen. Außerdem ist die Luft voll von dem Weihrauchduft, der für mich völlig ungewohnt ist. Also lasse ich den Tag im Hotel ruhig ausklingen. Gute Nachrichten erreichen mich: morgen Abend bin ich eingeladen, übermorgen auch. Und auch das Verladen am Donnerstag hat Slava bestätigt. Ideal wäre noch ein längst überfälliger Kontakt nach Hause.

   

Visitors Counter

165265
HeuteHeute19
GesternGestern56
Diese WocheDiese Woche477
Dieser MonatDieser Monat2544
20132013165265
US
UNITED STATES
US

This page uses the IP-to-Country Database provided by WebHosting.Info (http://www.webhosting.info), available from http://ip-to-country.webhosting.info