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38. Tag 2017

38. Tag

Es geht doch! Zum Frühstück gibt es Omlet und Blinies, das sind kleine Eierpfannkuchen. Die Blinies esse ich am liebsten mit saurer Sahne die hier wegen der vielen Russen allgegenwärtig ist. Auf Nachfrage hätte ich auch meine geliebte Haferschleimsuppe bekommen. Die kleine 5oder 6-jährige am Nachbartisch darf sie mit Genuss verzehren, denn extra für sie wurde schnell ein Portion gekocht.

Etwas unentschlossen starte ich den heutigen Tag. Es soll ein Stadtbummel mit dem Schwerpunkt auf die Parkanlagen werden. Natürlich ist das bei den vielen Autos nicht einfach, die Straßen zu überqueren, aber für alles gibt es eine Lösung. Manchmal ist eine Brücke in der Nähe und manchmal eine Unterführung. Bei den Unterführungen ist man nie alleine, denn dieser Raum gehört den Händlern. Das hat den Vorteil, dass es hier keinen Taschendiebstal oder Bettelei gibt. Der Nachteil hingegen ist, dass alles ein wenig anders ist als bei uns (eventuell!).

Die Parkanlagen sind in einem relativ guten Zustand. Im Gegensatz zu vielen Bürgersteigen findet man selten Schlaglöcher oder kaputte Wege. Gepflegte Blumenrabatte gibt es nicht, das wäre bei dieser Hitze zu aufwendig. Aber der Rasen wird überwiegend gewässert und ist grün. Aber es gibt auch Ecken, wo alles vertrocknet ist. Es ist angenehm sich hier aufzuhalten, dabei sind es heute nur 36 Grad im Schatten, Maximum! Sehr schnell kann man sich an die kleinen Geschäfte gewöhnen die Brot oder Kuchen verkaufen oder andere „Tante Emma Läden“. Aber irgendwo versteckt, ohne dass man es vermuten könnte, gibt es auch Caffees mit Torten und allerlei leckerem Kuchen. Aber es gibt auch ganze Straßenzüge, da ist garnichts!

Ich erlebe eine der netten Episoden: In einer Kirche trete ich ein und verhalte mich eine Minute ruhig (Wolfgang und Renate kennen das!). Erst danach beginne ich die Kirche zu mustern und begrüße per Kopfnicken die Aufsichten. Danach starte ich meinen Rundgang und je nach örtlichen Gegebenheiten mache ich Fotos oder auch nicht. Ein Priester hat das bemerkt, während er eine Frau umfangreich segnet. Nach seiner Zeremonie hebe ich halb den Fotoapparat. Obwohl fotografieren verboten ist, nickt er und ich mache meine Fotos!

Eine andere Episode erlebe ich auf dem Blumenmarkt. Es werden Blumensträuße gebunden: mit Tesa-Film!!! Man nimmt etwas Zeitungspaper, weil man die Blumen nicht richtig auseinander halten kann, und wickelt Tesa um die Bilumen (in der Mitte Zeitung) drum, dann noch ein paar Blumen und Tesa, noch ein paar Blumen und Tesa usw. Irgendwann hat man einen Blumenstrauß, der nicht zu gebrauchen ist aber schön aussieht!

Das Museum Georgiens ist laut meinem Reiseführer ein Muss. Für 7 Lari Eintritt (2 Euro) genieße ich einige Stunden in vollklimatisierten Räumen. Zwei Abteilungen haben es mir besonders angetan. Zum einen natürlich das Gold von Colchis. Bei der Ausstellung stellt sich heraus, dass weniger das Gold, welches hier vorkommt, im Mittelpunkt steht, als vielmehr die Drehscheibe zwischen Orient und Okzident, die hier seit der vorgriechischen Zeit besteht. Die zweite Abteilung, die mir sehr nahe geht, ist die Besetzung durch die Russen. Alles ist darauf ausgerichtet einen Hass auf die Russen zu entwickeln. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gelassen wir als Deutsche mit diesem Teil der Geschichte umgehen. Der Hass auf die Russen, den ich von den baltischen Ländern kenne, wird hier nochmal gesteigert und findet seinen Höhepunkt in Abchasien und Süd-Ossetien. Stalin kommt hier in der Ausstellung wenig vor und sein Vertreter vor Ort Ordschonikidse bekommt den Mythos eines skrupellosen Massenmörders. Höhepunkt ist natürlich die persönliche Anordnung von Putin und Medwejew (Demokratie wird hier anders verstanden!) die Regionen Abchasien und Süd-Ossetien zu besetzen und sie dem russischen Territorium einzuverleiben.

Auf dieser Ebene gestaltet sich auch das abendliche Männergespräch. Hochinteressant ist es für mich, wie Armenier und Ukrainer (aber alle Georgier) sich hier am Tisch verständigen. Es wird mäßig getrunken und viel durcheinander gegessen. Kakatschka heißt hier der Grappa! Er wird aus den vergärten Trauben gebrannt, aus dem Traubensaft macht man Wein! Kakatschka nennen auch die Armenier ihren Brand aus Pfirsichen oder anderen Früchten. Die Herstellung ist je nach Haushalt unterschiedlich und geheim! Die Diskussionen sind vielschichtig. Viele haben Kontakte bzw. sind häufig in anderen Ländern. Aber Georgien, „Meine Heimat ist meine Ikone und die ganze Welt ist ihr Ikonenschrein. Glänzendes Berg- und Tiefland teilen wir mit Gott." So heißt es in der georgischen Nationalhymne. Da gefallen mir die Worte des letzen Patriarchen Ambrosius von Georgien besser: „Meine Seele gehört Gott, mein Herz meinem Land. Sie, meine Henker, mögen mit meinem Körper tun, was sie wollen.

Während ersteres mehr passiv ist so ist aus meiner Sicht das zweite Zitat wesentlich aktiver, was nicht nur diesem Lande guttun würde!

   

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