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Abenteuer 2018-19

Beim Frühstück treffe ich Siegfried. Seine Mutter ist eine Cousine meiner Eltern. Nach und nach trudeln die anderen ein. Pünktlich um 10 Uhr können wir starten. Heute Vormittag bin ich für die „Bespaßung“ verantwortlich. Dabei war abgemacht, dass alles organisiert ist! Völlig ohne Vorbereitung führe ich die Gruppe über den Arbat. Ich war schon einmal hier und kann deshalb einen Überblick geben. Das ist zwar nicht befriedigend, aber es reicht den Teilnehmern. Auch die kleine orthodoxe Kirche finden wir der junge Pope ist freundlich und sieht bewusst beim Fotografieren weg. Beim anschließenden Bier sind alle erstaunt, dass der Kellner in Ägypten geboren ist, in Russland lebt und ausser englisch noch deutsch und französisch spricht.

Danach zeige ich ihnen die Alexander-Gärten und das Mahnmal des unbekannten Soldaten. Es ist schwer, einem Kanadier zu erklären was eine Heldenstadt ist. Zu groß ist das Inferno gewesen. Mehrfach, wenn ich von den vielen Toten erzähle, fällt der Begriff „Massaker“ und er ist zutreffend. Selbst in der letzten Kriegsphase haben die Truppen nur angegriffen, wenn sie zahlenmäßig überlegen waren. Inzwischen ist es 15 Uhr Die Alexander-Gärten sind eine Enttäuschung, denn das Wasser ist für Wartungsarbeiten abgelassen worden.

Der Himmel zieht sich zu. Wir treffen uns am Gorki-Park. Die Bootsfahrt findet bei Regen statt. Trotzdem versuche ich einige Fotos zu machen. Gerne wären wir noch durch den Park bummeln gegangen, denn ich bin das erste mal in dieser Gegend, aber auf den Regen und die Kälte waren wir nicht vorbereitet. Die verbleibenden 2Stunden benutze ich mit einer kleinen Gruppe, um in das Hotel zu fahren und Jacken zu holen. Die anderen haben genug zu tun. Vitaly ist da! Durch einen DNA-Test stellte sich heraus, dass er mit uns verwandt ist. Leider kennt er seinen biologischen Vater nicht, so dass Rita aus Kanada voll in ihrem Element ist. Sie textet den armen Jungen so mit den Verwandtschaftsverhältnissen und Familienstorys zu, dass er manchmal hilflos in die Runde schaut. Besonders als Rita von den Gräueltaten der russischen Armee erzählt, ist er verwirrt. Das steht nämlich in keinem Geschichtsbuch, ist aber auch für unsere Familie bittere Wahrheit.

Ich sitze neben Ritas Bruder. Es ist eine nette angeregte Unterhaltung. Gegen 10 trudeln Torsten, Karsten und Martin ein. Wir sind komplett. Im Schlepptau sind noch die Verwandten von Ruzan, die hier in Moskau wohnen. Natürlich wollen mit einem mal alle neu angekommen privat schlafen, so dass ich 5 Plätze im Hotel umsonst bestellt habe. Die Zeit, für die Organisation der Übernachtungen, hätte ich auch sinnvoller verbringen können. Angenehm hingegen ist die Tatsache, dass wir mit dem Taxi zurück fahren. Komischerweise brauchen wir nur 500 Rubel (60 Euro) für eine Fahrt quer durch Moskau zu bezahlen. Immerhin ist es wieder einmal kurz nach Mitternacht, als ich zu Bett gehe.

Abenteuer 2018-19

Viel habe ich mit meinen Verwandten heute nicht gemacht. Aber warum soll ich mir zum 10-ten Mal den Roten Platz ansehen? Da stehe ich lieber etwas eher auf und stelle mich am Roten Platz in eine Schlange von ca. 100 Wartenden an. Es dauert noch 45 Minuten, bis das Mausoleum aufmacht. In der Zwischenzeit haben sich hinter mir weitere 200 Menschen angestellt. Es geht mir nicht um das Mausoleum, aber dies ist die einzige Möglichkeit um an die Grabstätten an der Kremelmauer heranzukommen. Aber auch hier sind nicht alle gleich. Stalin, Kossygin, Andropow u.a. haben Stelen mit Büsten. Gagarin, Heckert, Gorki u.a. haben Tafeln in der Mauer. Titov, Reed, und viele andere liegen auf einem Urnenfeld an der Kremelmauer begraben.

Obwohl ich mir sehr viel Zeit lasse, denn in den nächsten 10 Jahren werde ich hier nicht mehr herkommen, bin ich um kurz nach 11.00 Uhr schon durch. Zeit genug um meine zweite Station in Angriff zu nehmen. Und pünktlich um 12.00 Uhr bin ich am Eingang der Tretjakov-Galerie. Auch hier muss ich mich erst in die Warteschlange mit 50 anderen Besuchern einreihen. Der Eintritt von 10 Euro ist für alle gleich, wobei ich den Eindruck habe dass Ausländer inzwischen dieses Kleinod okkupiert haben. Ich verstehe nicht alle Bilder, aber die Sammlung der Repin-Bilder ist gut. Vor dem Bild „Unerwartete Heimkehr“ habe ich mit meinen Gefühlen zu kämpfen. Auch unsere Leute waren 1-2 Jahre in der Verbannung ohne ein Lebenszeichen geben zu können und kamen dann teilweise unangekündigt wieder. Das Hauptwerk (Zar Iwan erschlägt seinen Sohn) ist in Restauration, nachdem ein Anhänger des alten Zaren versucht hat es zu zerstören. Überhaupt sind die Sicherheitsvorkehrungen sehr lasch. Ungehindert kann man Bilder berühren und um das Fotografie-Verbot kümmert sich keiner der Aufsichten. Meisterwerke sind durch die Vermarktung inzwischen zu Kitsch verkommen und ein Selfie vor solchen Gemälden scheint das Muss eines jeden Besuchers zu sein. Manchmal (?) sind die Russen und Asiaten wie kleine Kinder! Kurz vor halb 6, also nach gut 5 Stunden, verlasse ich die Galerie.

Am Abend beuchen wir noch das russische Nationalensemble „Kostrjoma“. Obwohl es für viele neu ist, klappen doch die Augen zu während der Vorstellung zu . „Ozon-Vergiftung“ bezeichne ich das. Nach einem ruhigen Bier verziehe auch ich mich auf das Zimmer.

Abenteuer 2018-19

Endlich! Endlich?

Nachdem ich meine Depressionen überwunden habe, ist nun, nach nahezu einer Woche, Ruhe eingekehrt.

Depressionen? Ja, denn ich habe jetzt 14 Monate frei! Frei! Frei!

Ruhe? Morgen geht der Flieger nach Moskau. Alle erforderlichen Arbeiten konnten in dieser Woche erledigt werden. Der Garten ist in einem passablen Zustand. Die Klassenarbeiten sind korrigiert und Zensuren sind festgelegt und abgegeben. Stundenabrechnung ist ok. Die Abschiedsfeten (es waren nur zwei!) sind absolviert. Die Freisprechungsfeier war der gewohnte Quatsch der Selbstbeweihräucherung. Wie schön, dass man als Lehrer wenigstens geduldet ist. So erfährt man, dass die Milbrod-Klassen wieder einmal weit unter dem Durchschnitt liegen. Mit 10% Durchfallquote ist das Ergebnis nur halb so groß wie der Gesamtdurchschnitt. Trotzdem gilt mein Mitgefühl Svenja, Marianna, Nardika, Matthias und Simone aus den beiden Milbrod-Klassen.!

Ja, morgen geht es los, und dann beginnt der „Urlaubs-Wahnsinn“. Die erste Etappe führt mich über zwei Wochen zu einer Rundreise durch Russland mit Verwandten. Wir treffen uns in Moskau: die Tante und der Onkel aus Kanada, die Nichte aus dem Ruhrgebiet mit Papa, der Cousin des Vaters mit seinem Sohn und Schwiegertochter und so weiter. Insgesamt .sind wir 15 Personen, die mehr oder weniger verwandt sind. Probleme erwarte ich keine, denn in unserer Verwandtschaft heißt es überall: „Zieh die Schuhe aus, Du bist zu Hause!“. Oh wie oft habe ich diesen Spruch gehört, bei wildfremden Menschen, die ich oft nicht einmal vom Hörensagen kannte. Aber Blut ist dicker als Wasser!

Der Koffer ist gepackt, 20 kg bringt er bei mir auf die Waage. Am schwersten ist der Laptop. Hoffentlich geht er kaputt, denn ich benötige dringend einen Neuen. Aber bis jetzt habe ich noch keinen Sponsor gefunden. Biete Reisebericht – suche Sponsor für ein Pad!

Abenteuer 2018-19

Ja, der normale Wahnsinn hat begonnen.

Doch der Reihe nach!

Der Tag begann, wie es optimaler nicht sein konnte. Pünktlich um 8.00 verließ ich das Haus. Alle Anschlüsse klappten optimal, so dass ich schon mach 2 Stunden 15 Minuten am Flughafen war. Veranschlagt hatte ich für diese Stecke 3 – 4 Stunden. Na gut, so nutze ich die Zeit für eine Tätigkeit, zu der ich sonst nie komme: ich habe 50Seiten in wissenschaftlicher Literatur gelesen. Diesmal über Philatopologie.

Der Flieger kommt rechtzeitig, das check-in verläuft problemlos, die Handgepäckkontrolle ist chaotisch ( hatte ich aber erwartet, zum Glück diesmal keine Taschenmesser oder scheren. Stattdessen wird Sprengstoff in den Objektiven vermutet und meine Medikamente befinden sich nicht in der Plaste-Tüte). Im Flieger gehe ichmeiner Lieblingsbeschäftigung nach (schlafen). Nach der Landung herrscht Chaos an der Passkontrolle. Gut 30 Minuten muss ich anstehen. Dafür wird die Migrationskarte automatisch mit ausgedruckt und man muss sie nicht mehr mühevoll ausfüllen.

Der Flieger aus Berlin kommt eine halbe Stunde später. Eine Zollkontrolle erfolgt nicht, so dass ich die ca. 50-100 Hörgeräte unbeschadet einführen kann. Das Hallo am Ausgang ist groß, als die anderen eintreffen. Bein check-in im Hotel müssen die Pässe (alle Seiten!) kopiert werden. So dauert das einchecken für 8 Personen genau eine Stunde.

Beim anschließenden Abendessen ist die Stimmung aufgelöst. Deutsch ist die dominierende Sprache, englisch wird viel gesprochen und auch ein wenig russisch. Mascha war Austausch-Schülerin in Deutschland und ist hier Übersetzerin für hochgeistige Literatur. Alle meine Erwartungen sind eingetreten und so gehe ich den künftigen Ereignissen ruhig entgegen.  Blut ist eben doch dicker als Wasser und Verwandtschaft ist Verwandtschaft!

Und jetzt sitze ich um Mitternacht hier herum, während alle schlafen, und schreibe Berichte, was ich so gar nicht mag!!!!!!

Fazit2017

Fazit

Nun bin ich offiziell schon 4 Tage wieder zu Hause und habe mich noch immer nicht „eingewöhnt“. Es ist einfach zu kalt. Heute Morgen als ich zur Arbeit ging waren es 9 Grad! Tagsüber sind es selten über 20 Grad, so viel hatte ich sonst in 3000 m Höhe! Man könnte verzweifeln, wenn man nicht so viel frieren würde!

Ein Fazit soll ich ziehen! Ja, vorsichtig bin ich gefahren. Manchmal habe ich mich insgeheim selbst ein „Weichei“ genannt, wenn ich bestimmte Straßen gemieden habe oder bestimmte Entfernungen für mich zu anstrengend waren. „Fahr vorsichtig“- klingt es mir in den Ohren!

Ja ich bin vorsichtig gefahren, eventuell zu vorsichtig. Aber habe ich dadurch etwas versäumt? Einige meiner Urlaubsziele konnte ich nicht „abhaken“, aber ist das alles, weshalb man hierher fährt? Ja, ich habe in Armenien kapituliert: vor der Hitze, vor den Straßenverhältnissen, eventuell auch vor dem „anders sein“. Ich bin deswegen nicht traurig. Bei einer gewissen pessimistischen Einstellung („Fahr vorsichtig“) kommt irgendwann der moralische Tiefpunkt, und der war dort! Trotzdem musste ich die restliche Zeit verbringen und konnte mir so die Lebensweise der warmen Länder an eigenen. Ist auch nicht schlecht!

Ich habe interessante Leute kennengelernt, persönliche Lebenswege die so verschieden zu den meinigen sind. Aber auf die Frage was besser ist konnten wir keine Antwort finden. Jeder muss seinen Weg gehen, und der ist mit vielen Kompromissen bestückt. Träume sind schön, aber man sollte auch realisieren, dass es Träume sind und nicht diesen unerreichbaren Zielen hinterherjagen.

Die Technik ist zuverlässig. Mehr als die 800 cm³ sind echt zu viel. Eher sollten es noch weniger sein. Und vor allen Dingen weniger Gepäck. Die beiden Seitenkoffer sind auch für eine Weltumrundung völlig ausreichend. Inzwischen gibt es alles und überall und auch Ted Simon ist wieder auf Tour, mit deutlich weniger Gepäck als sonst.

Das Klima und die Hitze habe ich unterschätzt. 3-4 Liter Flüssigkeit am Tag verhindern eine vernünftige Nahrungsaufnahme. Wobei Georgien auf Grund der Luftfeuchte klimatisch noch erträglich ist. Aber Azerbeijan und Armenien sind Mitte August schon eine Herausforderung. Die Infrastruktur in den Ländern tut ein Übriges. Viele Sehenswürdigkeiten sind nur schwer zu finden oder nicht erreichbar. Eigentlich müsste man immer einen Tag Recherche und Planung und einen Tag Besichtigung und Fahren vorsehen. Nur dann hat man ein Zeitproblem.

Mein Budget habe ich nicht voll ausgeschöpft. Obwohl ich überwiegend in guten Hotels gewohnt habe war der Trip inclusive aller Nebenkosten billiger als 6 Wochen Antalja all inclusive. Wenn man mehr auf die Kosten achten würde, könnte man nochmal gut 30 - 50 % sparen.

Natürlich ist es schön, ohne Familie so durch die Gegend zu gondeln. Natürlich möchte man verzweifeln, wenn man schlechte Nachrichten von zu Hause bekommt. Stimmungen lassen sich nicht immer mit einer Bemerkung wegwischen, können aber bis zu einer Krise anwachsen. Da wäre es einfacher ganz ohne Familie zu sein; aber das ist auch nicht schön!

Also, ein Fazit in einem Satz zu ziehen ist schwer. Alle drei Länder haben ihre Vorteile und auch Nachteile, aber dort zu leben kann ich mir nicht vorstellen. Ach die Vorstellung, auf eine große Tour zu gehen, die etwas länger als 6 Wochen dauert, ist auf dieser Reise nicht endgültig entschieden worden. Na, denn: bis zum nächsten Mal!

   

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