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21.Tag 2017

21. Tag

Halbzeit. Ich schlafe gut und ruhig. Frühstück um 9.00 Uhr. Und dann wird mir ein Angebot gemacht, dass ich nicht ausschlagen kann: Ich darf noch eine Nacht länger bleiben. Also schnell um-planen und los!

Erste Station ist der höchste Berg Armeniens. Mit seinen 4090 m ist er für Bergsteiger eher uninteressant. Mich interessieren die Jesiden, die hier um den Berg herum als Halbnomaden wohnen. Bisher kannte ich sie nur als Verfolgte aus dem Irak, Syrien und der Türkei. Hier leben sie unbehelligt in den Bergen mit ihren Ziegen, Schafen und Kühen. Sie haben im Tal eigene Schulen. Die Diskriminierung hier besteht darin, dass sie die armenische Sprache lernen müssen um studieren zu können. Studieren tut hier Jeder, der die Schule abgeschlossen hat. Alle, bis auf die wenigen die es nicht schaffen, sind Magister, Ingenieure oder Doktoren. Ein Paradies für unsere Rot-Grüne Regierung: 99 % aller Schüler machen Abitur und alle studieren! Eine Berufsausbildung gibt es nicht. Dasselbe System ist übrigens in nahezu allen Ländern dieser Welt vorherrschend, nur nicht in Deutschland, da hinken wir noch ein wenig hinterher!

Auf 3200 m Höhe befinden sich eine stillgelegte Forschungsstation und ein Hotel. „No Toilets“ steht an einem großen Schild geschrieben. Auf dem Gelände des Hotels sieht es ordentlich aus, der Parkplatz davor könnte Regen vertragen. Mit mir sind auf dem Parkplatz einige Kleinbusse vorhanden, die Jugendliche zum Bergwandern hier abgeladen haben. Eine größere Frauengruppe macht Picknick. Ich merke nach ½ Stunde, dass die Luft doch etwas dünner ist. In der Nähe, etwas unterhalb in einer anderen Bergschlucht, ist eine alte Burgruine, die ich mir auch ansehe. Der Parkplatzwächter erzählt freudig, dass er in Ludwigslust seinen Wehdienst verbracht hat. Wir beide könnten etwa ein Alter sein, denn in der fraglichen Zeit habe auch ich meinen Wehrdienst abgeleistet.

Ich besuche die Residenz des Katholikos der armenischen apostolischen Kirche. Er ist der höchste Würdenträger und das Gelände ist eine herrliche und gepflegte Anlage. In ihm befindet sich eine der fünf als Weltkulturerbe anerkannten Stätten. Allein um diese Stelle zu finden musste ich aus Goggle die Koordinaten ermitteln und sie in mein Navigationsgerät eingeben. Wegweiser habe ich auf der ganzen Strecke nur einmal gefunden. Auf dem ganzen Gelände befinden sich mehrere Kirchen und Gebäude, jedoch keine Hinweistafeln! Ich frage im Souvenirshop nach und mit Bedauern wird mir ein englischer Plan von Jerevan angeboten. Auch Literatur auf Englisch zu dieser weltweit einmaligen Stätte suche ich vergebens. Stattdessen werden mir Magnettafeln und Bücher auf Armenisch angeboten. Führer auf Englisch oder einer anderen Sprache gibt es nicht. Also durchstreife ich das weitläufige Gelände alleine und auch in der Hauptbasilika wäre ich für die eine oder andere Erklärung dankbar gewesen. Weltkulturerbe, so dachte ich bisher, heißt, dass die Menschen aus der ganzen Welt hierher kommen und sich das Erbe ansehen. Aber wie sollen sie es finden und woher wissen sie um die Bedeutung dieser Stelle? Wenn ich mir vorher alle Informationen aus dem Internet holen muss, dann kann ich auch zu Hause bleiben! Nur so viel: Etschmiadsin, der heutige Sitz des Katholikos, war vom 2. bis 4. Jahrhundert Hauptstadt Armeniens. Seine Kirchen gelten als wichtiges Beispiel für die frühe armenische Kirchenbaukunst. Die Kathedrale soll die erste Kreuzkuppelkirche sein, sie geht auf einen Ursprungsbau von 485 zurück.

Am zweiten Weltkulturerbe bin ich schon einmal vorbeigefahren und beinahe wäre es wieder passiert. Es befindet sich an der Schnellstraße nach Jerevan in einem Wohn- oder Industriegebiet. Der Einzige Wegweiser befindet sich 750m vor der unscheinbaren Einfahrt zum Gelände. Jeweils 20 m davor und dahinter gehen auch Straßen ab. Natürlich nehme ich die falsche und mein Weg führt über einen Friedhof. „Die im 10. Jahrhundert zerstörte, dem heiligen Gregor gewidmete, Kathedrale von Swartnoz war der älteste und größte Tetrakonchos im Kaukasus.“ So steht es jedenfalls im Internet hierüber.

Ich erinnere mich an meine Einreise vor einer Woche. Durch Zufall bin ich auf eine Weltkulturerbe Kirche gestoßen und an der anderen vorbeigefahren. Obwohl die Zeit heute knapp wird möchte ich am Kloster Geghart noch vorbeifahren. Die Straße von Jerevan auswärts ist gut ausgebaut, bedarf aber dringend einiger kleiner Reparaturen. Als ich beim Kloster ankomme, auch hier fand ich den einzigen Wegweiser in 30 km Entfernung, bin ich doch erstaunt über die vielen Busse und Autos zu dieser nachmittaglichen Stunde. Es handelt sich um ein sehr großes und gut erhaltenes armenisches Kloster. Charakteristisch sind die teilweise in den Fels gehauenen Räume bzw. die Nutzung von Höhlen. Es klebt wie ein Schwalbennest am Felsen. Gegründet wurde es bereits im 4. Jahrhundert n. Chr. Und im 9. Jahrhundert von den Arabern zerstört. Erst 1215 wurde es wieder errichtet. Das Kloster gehört zu den bedeutenden Zeugnissen der Armenischen Apostolischen Kirche.

Es gibt viel zu erzählen, als ich wieder in der Unterkunft bin. Besonderes Interesse gilt dem guten Reiseführer, den ich mir im Vorfeld gekauft habe. Er hat mir bisher gute Dienste geleistet und ich bereue es nicht, dass ich die etwas umfangreichen Reiseführer von Trescher vernachlässigt habe.

20. Tag 2017

20. Tag

Das Taxi ist pünktlich 10 Minuten vor 8.00 Uhr da. Nach ca. einer halben Stunde bin ich wieder in der Hauptstadt gelandet. Ich will es mal probieren, mit einem Reiseunternehmen einen Trip zu machen.

Es wurde gebeten, eine halbe Stunde vorher da zu sein, um einen guten Sitzplatz zu erwischen. Aber bei meinem Eintreffen sind bereits alle Fensterplätze in diesem großen Reisebus besetzt. Also setze ich mich demonstrativ in die erste Reihe, gleich hinter dem Fahrer, neben eine etwas kräftige Russin mittleren Alters. 45 Personen werden wir insgesamt. Der Bus ist klimatisiert und es gibt kostenlos Wasser zu trinken.

Khor Virap ist die erste Station. Von hier aus startete nicht nur die Christianisierung, sondern das Christentum wurde von hier aus auch zur Staatsreligion erhoben. In Jerewan wurde annlässlich des 1700 Jahrestag der Einführung die Kathedrale des Hlg. Georg des Erleuchters im Stadtzentrum nahe des russischen Viertel erbaut. Sie ist gegenwärtig die größte armenische Kirche weltweit. Doch wir sind an der Stelle, an der der heilige Georg gefangen gehalten wurde und den König vom Christentum überzeugen konnte. Außerdem ist von diesem Punkt der Ararat sehr gut zu sehen. Wer einmal hier war, versteht die Sehnsucht der Menschen nach diesem Berg. Doch was nützt die Heiligkeit, wenn gleich unterhalb des Klosters sich eine russische und eine amerikanische Garnison befinden, welche diese fragile Grenze bewachen soll. Zu gut kenne ich das Gefühl „nach drüben zu sehen“. Majestätisch liegt der Berg Noahs vor einem, mit seiner kleinen Schneekuppe.

In der Nähe von Noravank kommen wir an der Vogel-Höhle vorbei. Allein die über 100 km lange Fahrt dorthin hat sich gelohnt. Leider kann ich nicht die atemberaubenden Felsformationen und das herrliche Naturschauspiel fotografieren. Wir sitzen in einem Reise-Bus und ich habe kein Fensterplatz. Angehalten zum Fotografieren wird hier nicht. Die Höhle selber hat weder Tropfsteine noch einen unterirdischen See. Da aber die Temperatur im inneren relativ konstant ist, wurden hier Lebensmittel gelagert. Nachgewiesen ist hier die älteste Weinproduktion weltweit. Große runde Gefäße sind im Boden eingelassen gewesen, wie die Archelogen herausgefunden haben. Woher sie wissen, dass es sich um Wein handelt, der hier gelagert wurde, ist mir unerklärlich. Aber Noah muss also einen Weinstock gehabt haben! Auch wurde hier der älteste Schuh der Welt gefunden. Der Schuh ist noch älter, als der vom Ötzi in den Alpen. Dieser hier war ein Frauenschuh.

Das 8 km entfernte Kloster Noravank liegt bezaubernd in den Bergen. Die Felsformationen auf der gegenüberliegenden Seite haben eine Färbung, die bis in das ziegelrot hineingeht. Die Anlage selber ist seit dem 13. Jahrhundert Grabgelege einer Fürstendynastie und erstaunlich gut erhalten. Später erfahre ich, dass es durch zahlreiche Erdbeben zerstört und wieder aufgebaut wurde. Auch ranken sich einige Mythen um dieses Ensemble mit seinen4 Kirchen, die so komplett unterschiedliche Formen haben. Fakt ist, dass viele Zeichen in den Steinen nicht nur von Touristen sind. Auch die kunstvoll verzierten Stein-Stelen lassen auf eine hohe Kultur schließen. Am Busparkplatz stehen eine Menge Buschen, die Tauben anbieten. Zuerst wollte ich fragen wo der Grill ist, dann erinnerte ich mich an die Worte meines Vaters: „Zu Hause nicht einmal eine ordentliche Toilette haben und hier umher stehen und den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen.“ Am liebsten hätte ich alle Tauben gekauft und sie von ihrem Elend erlöst, denn gepflegt waren sie wirklich nicht. Übrigens, eine Toilette war in der ganzen Gegend des Parklatzes nicht zu finden!

Über den Rest der Reise lässt sich nicht viel berichten. Es geht zum Mittagessen in ein Restaurant und ich bin froh, das einfachste Gericht bestellt zu haben. Es ist schnell da und die Portion ist ausreichend. Hackfleisch am Spieß gegrillt, ca. 30 cm lang in einem Stück dazu Kartoffeln und Gemüse. Für 6 Euro ist es etwas teuer, aber ich bin im Urlaub! Auch die Weinverkostung in der Nähe ist nicht nach meinem Geschmack. Es sind mir zu viele Leute da! 45 Menschen wollen bedient werden. Trotzdem bin ich außerordentlich dankbar, diese Tour gemacht zu haben. Die Straßenverhältnisse hätten mir und dem Motorrad nicht so gut getan. Selbst der Bus fährt sehr lange mit 30-40 km/h. Auch auf der „Autobahn“ gelingt es ihm nur schwer, das Fahrzeug bei 80 km/h ruhig zu halten. Ich weiß nicht, wie die beiden Motorradfahrer das empfinden, denen wir unterwegs begegnen. Auf die Schnelle kann ich auch die Maschinen nicht erkennen sondern nur, dass jeder eine Helmkamera auf hat.

Auf den schönen Tag trinke ich noch ein Bier in der Hauptstadt und lasse mich „nach Hause“ fahren. Nach ein paar netten Gesprächen geht der Tag zu Ende.

18. Tag 2017

18. Tag

Es ist noch lange keine Halbzeit, aber ich habe das Gefühl, alles gesehen zu haben. So nehme ich mir nach dem Frühstück die bekannteste Attraktion vor. Um zur Statue der Mutter von Armenien zu gelangen muss ich ein Teil des Weges von gestern Abend gehen. Ich scheine hier im Norden der Stadt ein etwas gehobenes Viertel erwischt zu haben. Alles hat schon den Charme und den Anspruch einer Hauptstadt, ganz anders als die Gegend gestern im Süden. Kleine Nobelgeschäfte reihen sich entlang der Straße und den guten Bürgersteigen. Cafes und Restaurants laden bereits um die Mittagszeit zum Verweilen ein. Natürlich sind um diese Zeit keine Gäste da. Also vertreibt man sich die Zeit damit, alle Pflanzen zu wässern.

Kaskade heißt die Gegend. Es ist das Ende einer Prachtstraße mit Bäumen in der Mitte. Der Platz hier gibt den Blick frei auf den schneebedeckten Gipfel des Ararat in der Ferne. Die Stadt kann man erahnen. Zur anderen Seite, dem Berg hinauf ist eine terrassenförmige Anlage errichtet worden. Obwohl man auch die Treppenstufen erklimmen könnte, bevorzuge ich die Rolltreppen im Inneren. Nach der sechsten Rolltreppe ist Schluss. Ab hier liegt alles seit mehreren Jahren brach. Zum Glück sieht man diese Bauruine von unten nicht. Geplant war sicher, das Ganze bis zum Siegespark zu verlängern, was auch Sinn macht. Laut Wikipedia wurde alles 1980 fertiggestellt und 2002 renoviert. Also stolpere ich mit anderen Touristen entlang der Ruinen, krampfhaft nach irgendwelchen Hinweiszeichen suchend, vorbei an der Gedenkstätte für Carles Aznavour. Irgendwie schaffe ich es zum Siegespark zu kommen. Dieser ist ein Rummelplatz inmitten einer verwilderten Parkanlage. Es ist alles so wie überall auf der Welt! Wasser zum Bewässern der Pflanzen läuft irgendwohin, Wege werden seit Jahrzehnten nicht ausgebessert, Bäume werden nicht geschnitten, und so weiter. Die Schießbudenbesitzer und Eigentümer der Fahrgeschäfte sind dafür ja nicht verantwortlich! Und die Besucher kommen ja trotzdem (noch). Am Ende des ca. 20 ha großen Geländes steht sie, die Mutter Armenia!

Erst relativ spät um 1950 wurde in Jerewan ein Stalin-Denkmal errichtet. Es war total hässlich und zeigte den alten Stalin mit seinem Mantel und eine Hand wie Napoleon im Revers. 1962 wurde das Denkmal in einer nächtlichen, schlecht vorbereiteten, Aktion heruntergerissen. Der Sockel ist sehr solide, so dass 1967 die neue Skulptur darauf gestellt werden konnte. Im Inneren des Sockels befindet sich ein Militärmuseum. Es glorifiziert insbesondere die armenischen Helden im zweiten Weltkrieg, verfügt aber leider über keine Informationen in anderer Sprache. Es bleibt zu fragen, welchen Sinn solche Ausstellungen 70 Jahren nach Kriegsende haben.

Ich lasse mich von einem Taxi zu meinem zweiten Punkt bringen. Für 3 Euro ist dieser Luxus erschwinglich. Es ist das Armenische Genozid-Museum. Vergleichbar soll der Komplex mit Jad Vashem sein. Ich gehe durch eine lange Allee und aus unsichtbaren Lautsprechern klingt Klagemusik. Die Bäume tragen Namensschilder, wer diesen Baum gepflanzt hat. Kleine Schilder verweisen darauf, wer die Beleuchtung gesponsert hat oder die Ausführung der Straße. Zumeist sind es Organisationen aus Übersee. Das Monument selber ist sichtlich gelungen und beeindruckte mich. Um zur ewigen Flamme zukommen muss man einige Stufen hinabsteigen wie in eine Höhle oder Grabkammer. Auch hier kann man sich der Klagemusik nicht entziehen. Das Museum daneben ist international ausgerichtet. Alles ist auf Englisch, Russisch und Armenisch beschrieben. Viele Bilder unterstreichen die Aussagen. Das meiste entspricht dem damaligen Zeitgeist: Progrome, gewaltsame Umsiedlung, Verkauf als Sklaven auch im Ende des 19. Jahrhunderts. So etwas gab es nicht nur hier. Was mir fehlte war die Darstellung der Dimensionen! Oder ich habe nicht aufmerksam genug alles gelesen? Auch dieses Museum ist eine Gradwanderung zwischen Meinungsbildung und Propaganda. Wo hört Erinnerung auf und fängt Beeinflussung an? Trägt das Museum zur Lösung der Frage „Berg Karabach“ bei oder kann es der Beginn für Verhandlungen mit der Türkei über Entschädigung sein?? Ich muss hier nicht berichten, was im Jahr 1945 alles östlich der Oder-Neisse geschah. Jedes der in diesem Museum gezeigten Bilder kann ich durch Beispiele aus der eigenen Familie nach 1945 belegen. Deswegen die Vergeltung der Vergeltung der Vergeltung zu fordern ist Quatsch. Wäre es nicht ein gutes Zeichen, wenn im Eingangsbereich solcher „Erinnerungsstätten“ die Charta der deutschen Heimatvertriebenen ausliegen würde?

Ich nehme mir wieder ein Taxi für die Fahrt in die Stadt. Kaum habe ich meine Sachen halbwegs geordnet, so werde ich wieder zum Abendessen eingeladen. Es gibt lecker Fisch in einem Vorort. Es ist wieder eine Männerrunde. Zum „Absacker“ geht es in die Innenstadt. So hatte ich den Abend nicht geplant, bin aber über die Entwicklung nicht böse.

19. Tag 2017

19. Tag

Eigentlich fing alles harmlos an. Ich hatte mich schweren Herzens entschlossen, meine Komfortzone aufzugeben und wieder auf Tour zu gehen. Damit alles effektiver wird habe ich mir 3 Ziele herausgesucht. Das Mesrop-Maschtoz-Institut für alte Manuskripte, kurz Matenadaran ist das Zentralarchiv für alte armenische Handschriften in Jerewan. Es ist nach dem Heiligen Mesrop Maschtoz benannt, dem Entwickler des armenischen Alphabets, etwa zwischen 403 und 406 n. Chr. geschaffen. Es ist unklar, ob die Schrift eine Neuentwicklung war oder ob die Armenier zuvor eine andere Schrift benutzten, von der keine Schriftzeugnisse existieren. Bis zum 5. Jahrhundert verwendeten die Armenier die griechische, syrische oder aramäische Schrift, um geschäftliche und offizielle Angelegenheiten zu dokumentieren. Es bestehen gewisse Ähnlichkeiten mit deren Schriftzeichen. Noch größer sind die Gemeinsamkeiten mit der äthiopischen Schrift. Ein kultureller Austausch zwischen Armeniern und Äthiopiern im 4. Jahrhundert in Jerusalem gilt als wahrscheinlich. Soweit die Erkenntnisse in Wikipedia.

Zweite Sehenswürdigkeit ist die blaue Moschee. Sie ist heute noch in Funktion. Im Jahr 1766 wurde sie errichtet und fungierte als Freitagsmoschee, die Hauptmoschee, in der jede Woche das Freitagsgebet abgehalten wird. Früher gab es acht weitere islamische Gotteshäuser. Nachdem die ehemalige iranische Provinz Armenien 1827 von den Sowjets erobert wurde, wurde das prächtige Gebäude ab 1931 als Stadtmuseum verwendet. Dadurch ist sie als einzige Moschee in Armenien bis heute erhalten geblieben. Die letzte groß angelegte Restauration erfolgte in den späten 1990er Jahren. Mit der Unabhängigkeit Armeniens und der Hilfe der iranischen Regierung wird die Moschee heute wieder als Moschee in der Stadt genutzt. Einmal in der Woche finden die öffentlichen Gebete statt, das Stadtmuseum wurde in ein anderes, extra für diesen Zweck errichtetes Gebäude übersiedelt. Die Blaue Moschee besteht aus der Haupthalle, in der sich die Gläubigen zum Gebet einfinden, der Madresa, einer islamisch-religiösen Schule mit 28 Zimmern und einer Bibliothek, gruppiert um einen weitläufigen mit Ulmen bewachsenen Innenhof, in dessen Mitte ein Springbrunnen vor sich hin sprudelt. Am Hauptportal befindet sich ein einziges Minarett, dessen Spitze mit einer Galerie geschmückt ist. Das gesamte Areal der Blauen Moschee umfasst eine Fläche von 7.000m2. Die sandsteinfarbenen Außenmauern werden von einer gigantischen blauen Kuppel dominiert. Schon von weitem sind die kunstvollen goldenen Mosaik-Verzierungen auf dem Himmelblau der Kuppel zu sehen. Auch das Portal und das Minarett sind mit Liebe zum Detail mit farbenprächtigen Fliesenarbeiten geschmückt.

Die dritte Sehenswürdigkeit ist die Ausgrabungsstätte der Ruinen der Erebuni-Festung. Einst muss sie sehr prächtig gewesen sein, die vom urartärtischen König Argišti I. im Jahre 782 v. Chr erbaute Festung Erebuni. Ihre Überreste, die seit 1947 von armenischen und russischen Archäologen untersucht werden, thronen heute auf dem Hügel Arin-Berd. Der Meinung einiger Forscher folgend, war die Burg sogar der Namensgeber der heutigen Stadt Eriwan. Wer die Erebuni-Festung heute besucht, kann u.a. die Burg besichtigen, die um einen Garten im Zentrum der Festung erbaut worden ist. Ich besichtige alles, die Burg und dasMuseum.

Oh, Karsten! Danke, dass dieser Kontakt zu Stande kam. Ich werde bei sympathischen und freundlichen Leuten aufgenommen. Einziger Nachteil ist, dass sich die Wohnung im 6. Stock eines Blockes befindet. Natürlich gibt es keinen Fahrstuhl. Aber es muss gegessen werden. Und das heißt, dass der Tisch voll ist von den verschiedensten Speisen. Und zum Nachtisch frische Melone und Kaffee. Obwohl die Temperaturen auch heute unerträglich hoch sind, scheint alles ein wenig erträglicher zu sein. Wir sind in einer Kleinstadt, ca. 20 km außerhalb von Jerewan. Ich lasse mich treiben und werde nach dem Essen zu einer Hirche das Hlg. Mesrop Maschtoz geführt. Jeder Buchstabe ist in einer Steinstele kunstvoll herausgearbeitet. Es ist eine Kirche nach armenischem Ritus, bei der der Altarraum erhöht ist und mit einem Vorhang abgetrennt werden kann.

Danach fahren wir noch in den Garten zum Grillen. Es gibt wieder lecker Fisch und Selbstgebrannten. Weil die Qualität der hochprozentigen Getränke in den Geschäften so schlecht ist, versucht Jeder selbst zu brennen. Zuerst kann ich es nicht glauben, dass es gepanschten Wodka in den Geschäften geben soll, erinnere mich dann aber an die Skandale aus der Vergangenheit die bis heute im Gedächtnis der Menschen haften geblieben sind! Der wichtigste erste Brand wird unter Aufsicht von Firmen hergestellt. Danach wird manchmal ein zweites und drittes Mal gebrannt. Also gibt es hier Wodka mit Aprikosengeschmack oder ganz wie man will und mit einem Alkoholgehalt, den man durch Verschneiden selbst bestimmen kann.

17. Tag 2017

17. Tag

An das Frühstück um 9 Uhr muss man sich erst gewöhnen. Aber verhungert ist deswegen noch keiner! Es wird am Tisch serviert und ist abwechslungsreich und reichhaltig. Ich habe mir vorgenommen, die Stadt zu „erobern“. Immerhin ist es eine Millionenstadt mit Metro und allem was dazu gehört. Jerewan soll auch die älteste Stadt der Welt sein. Ziellos schlendere ich durch die Straßen. Die bunten Hop-on-hop-off-Busse suche ich vergeblich. Der Tourismus ist anscheinend nicht gut entwickelt. Andererseits ist das Stadtzentrum auch nicht allzu groß. Nahezu kreisförmig erstreckt es sich mit einem Durchmesser von 10-15 km in einem Talkessel. Nur an einer Seite wird der Blick auf den Ararat frei, der sich hinter der Grenze zur Türkei befindet.

„Der Städtebau ist immer eine Reflexion des aktuellen politischen Systems. Es gibt einen großen Zusammenhang zwischen dem, was gebaut wird und dem politischen Leben in Armenien. Was bei uns heutzutage geschieht, zeugt von schlechter Regierungsführung und der Entwicklung eines oligarchischen Systems.“ Dieses Zitat kann ich so nur unterstreichen. Es gibt sehr wenig Bautätigkeit in der Innenstadt. Bis auf wenige Hotels stammen alle Gebäude noch aus sowjetischer Zeit und sind in einem entsprechenden Zustand. Einzig das Zirkus-Gebäude wird derzeit grundlegend saniert! Auffällig ist auch, dass es viele russische Firmen gibt. Ihre Firmengebäude können mit jedem Regierungsgebäude konkurrieren. Auch zum kulturellen Leben tragen sie mit ihrem offen zur Schau gestellten Sponsoring bei.

Zufällig komme ich am russischen Viertel vorbei. Die Einkaufspassage macht einen sehr guten Eindruck. Und auch die vielen kleinen Läden der Umgebung sind auf kaufkräftigere Kundinnen ausgelegt. Das Kinotheater ist nicht zu übersehen. Es ist ein Betonklotz, der nur an seiner Form mit den von außen erkennbaren Rängen als Theater erkennbar ist. Immerhin musste 1931 seinetwegen die älteste Kirche Jerewans aus dem 5. Jahrhundert weichen.

An einem Berghang am Rande der Altstadt thront ein Gebäude wie ein Märchenschloss. Es ist die Brandy-Fabrik „Ararat“. Auch sie ist seit ihrer Gründung 1902 Teil eines russischen Alkohol-Konzerns. Eine Besichtigung ist möglich, allerdings muss man sich einen Tag vorher anmelden. Welche Nationalität ich hätte? Ach so, deutsch! Dann kann ich in 1,5 Stunden zusammen mit einer deutschen Delegation die Führung mitmachen. Diese Delegation entpuppt sich als österreichisches Ehepaar.

Viele Mythen über Kognak werden während der Führung zerstreut, andere Erkenntnisse kommen hinzu. Jedes Staatsoberhaupt, das diese Fabrik besichtigt, bekommt 200 l Weinbrand geschenkt. Deutsche Staatsoberhäupter waren hier noch nicht. Das Fass von Boris Jelzin ist noch voll, gehört aber jetzt seiner Witwe. Die Jahresangabe auf dem Etikett einer Flasche gibt das Durchschnittsalter der einzelnen zusammengemixten Brände an. Ich bevorzuge einen 20-jährigen armenischen Kognak, der viel teurere „Diplomat“ sagt mir nicht zu. Auch preislich ist meine Wahl ein Optimum, während der 20-jährige für kurz über 100 Euro je Flasche zu haben ist, so kostet die andere Sorte das dreifache. Billiger, auch im Geschmack, sind die 3 und 10 jährigen Sorten.

Kaum hatte ich mich nach diesem anstrengenden Erlebnis ausgeruht, so werde ich zum Abendessen abgeholt. Es wird eine Herrenrunde in einem „Paulaner“-Restaurant. Ich lerne ein wenig die hiesige Gastfreundschaft kennen. Aber auch die Gespräche sind interessant. Man vertraut auf die junge heranwachsende Generation, die das sowjetische Stigma nicht mehr kennt. Na denn mal los! Die Korruption ist ein großes Problem, aber eine Universallösung scheint es nicht zu geben. Mein Englisch wird durch den häufigen Gebrauch immer besser und fällt mir inzwischen leichter als das Russisch.

Als ich gegen 22.00 in das Hotel gehe, erkenne ich die Stadt nicht mehr wieder. So viele Menschen habe ich den ganzen Tag nicht gesehen. In den Parkanlagen, von denen es viele gibt, tummeln sich die Familien als wenn es Feiertag wäre. Bei angenehmen Temperaturen von 30 Grad ist alles erträglich.

   

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