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16. Tag 2017

16. Tag

Das Frühstück in meinem Hotel sei „lacklustre“, schreibt der Reiseführer von Lonley Planet. Ich kann mir darunter nicht viel vorstellen. Ungewöhnlich finde ich es schon, dass es Frühstück erst um 9.00 geben soll. In froher Erwartung, aber auch weil ich nicht viel zu tun habe und es langsam warm wird, gehe eine halbe Stunde vorher vorbei und werde selbstverständlich abgewiesen. 5 Minuten vor Öffnung erhalte ich einen Anruf. Es gibt kein Brot zum Frühstück, ob das ein Problem für mich wäre? Missmutig schlürfe ich meinen Tee, während die Küchenfee sich angeregt mit dem Administrator unterhält. Nach 20 Minuten habe ich die Hoffnung aufgegeben irgendetwas Festes zum Frühstück zu bekommen und verlasse den Speisesaal. Zwar war noch für eine zweite Person eingedeckt, aber die sehe ich nicht.

Heute soll es zum Sevan-See gehen. Oh, was habe ich schon alles von diesem, am höchsten gelegenen See der Erde gehört, von seinen Schönheiten und seinem herrlichen Wasser. Nachdem ich das erste Mal über 2000 m Höhe war (das ist für uns Küstenbewohner eine magische Marke, ab der bereits die Höhenkrankheit einsetzen kann!) und das Thermometer sich um angenehme 24 Grad bewegt, kommt er in Sicht. Majestätisch liegt er vor mir, umgeben von den kahlen Berghügeln. Die Sevan-Halbinsel mit den Klosteranlagen ist für mich ein kleiner Schock. Menschenmassen quälen sich den Weg hinauf. Vorher jedoch mussten sie Spießruten laufen durch die zahlreichen Souvenir-Stände. Oh ihr lieben Verkäufer dieser Welt, wann begreift ihr endlich, dass ich nicht jedes Jahr 50 eurer billigen Souvenire mit bringen kann. Und begreift doch, wenn ich mir echte Unikate ansehe, so will ich sie bewundern, denn was soll ich damit zu Hause? Es gibt nur wenig von Euren Tischen, das ich nicht zu Hause auch zu einem ähnlichen Preis kaufen könnte.

Das Wasser im See ist tatsächlich sehr klar. Das Ufer ist steinig. Man behilft sich, indem man Jet-Ski verleiht. Ja, es gibt sie noch, Leute die hier Urlaub machen. Doch die Dimension wird mir klar, als ich diese Stelle verlasse und 30 km weiter fahre. In einer wahnsinnigen Euphorie muss man vor ungefähr 20 oder 30 Jahren Bungalows und Hotels gebaut haben, als wenn man glaubt ganz Europa will nur noch in Armenien Urlaub machen. Mir ist kein funktionierendes oder fertiges Feriendorf oder Hotel aufgefallen. Einzig, wenn ein paar Container herumstehen, sieht man Anzeichen von Urlaubern. Ich hätte gerne Fisch gegessen, aber es wiederstrebt mir, in einem der Cafes danach zu fragen. Ein Cafe ist ein „Tante-Emma-Laden“ vor dem ein paar Plastik-Stühle stehen und eventuell ein kleiner Zelt-Pavillon. Das ist nicht nur hier so, sondern weltweit z.b. in der Türkei, in Russland, in Marokko und anderswo. Manchmal wird in solchen Einrichtungen Schaschlik oder Köfte serviert oder auch Fisch, wenn man danach fragt. Dazu gibt es die Fanta oder Cola aus der Flasche.

Zumindest hier in der Gegend hat die Landwirtschaft noch Potential. Auch ist es nicht ganz leicht eine moderne Tankstelle zu finden. Wenn sie modern ist, dann handelt es sich um Gas-Tankstellen. Jetzt ist mir auch klar, weshalb all die schweren Autos so langsam beschleunigen und oft am Berg versagen. Einerseits will man ein dickes Auto fahren, andererseits ist das Benzin teuer. Und die Umstellung auf Gas bringt Leistungsverluste. Später erfahre ich, dass deutlich über 90 % aller Fahrzeuge diesen Betriebsstoff nutzen.

Ich fahre die Autobahn nach Jerewan entlang. Es ist eine 4-spurige Betonka, gebaut noch zur Zeit der Sowjetunion. Obwohl Armenien als einziges der drei Länder Straßennutzungsgebühren erhebt, hat es die schlechtesten Straßen. Ich bin sicher, dass ich wegen des Seltenheitswertes ein Foto machen werde, wenn ich Straßenerneuerungsarbeiten sehe. Solange habe ich jedoch gegen die Temperaturen anzukämpfen, die in der Stadt wieder einmal deutlich über 35 Grad im Schatten sind. Der vermutlich einzige Motorradshop hat gutes Kettenspray auf Lager. Ansonsten macht er das Hauptgeschäft mit Scooter aushina und mit Kleinteilen. Alles befindet sich in einem Zimmer einer Parterre-Wohnung. Hinweise auf das Geschäft sind von der Straße aus nicht erkennbar.

Mein Hotel ist ein kleines, außerordentlich freundliches und sauberes Hotel in der Innenstadt. Ich versuche zu relaxen und meine Gedanken zu ordnen. Nebenbei versuche ich Kontakt zu Leuten zu bekommen, die ich schon mehrfach angeschrieben habe. Endlich, mit der Hilfe von Andreas klappt es.

Nani ist die Freundin von Jürgen, mit der er hier in Armenien zusammenarbeitet. Wer Jürgen kennt weiß, dass er überall nur gute Freunde hat. Nani hat eine Zeitlang in Deutschland gelebt und arbeitet hier für ein Reisebüro. Ihr Spezialgebiet sind Motorrad-Reisen. Derzeit arbeitet sie an einer Motorrad-Pilger-Reise im Herbst. Nani hat mir auch dieses Hotel empfohlen. Wir gehen lecker Essen und unterhalten uns sehr viel. Es ist ein versöhnlicher Abschluss des heutigen Tages. Um 22 Uhr zeigt das Thermometer immer noch 32 Grad an.

15.Tag 2017

15. Tag

Nach dem Frühstück geht es ans Bezahlen. Ca. 30 Euro die Nacht verlangt der Administrator. Das entspricht auch so meiner Preisklasse. Es hätte mir sicher gut getan, noch einen Tag hier zu verweilen, aber eine seltsame Unruhe lässt mich das Motorrad satteln.

In Rustavi, einem Industrievorort von Tiblissi, gibt es eine aktive deutsche Gemeinde von ca. 60 Mitgliedern. Nur wenige sprechen die deutsche Sprache. Der Gottesdienst wird auf Deutsch, Russisch und Georgisch gehalten. Der Herr Bischof für den Süd-Kaukasus ist persönlich angereist, um als Urlaubsvertretung den Gottesdienst zu halten. Ich bleibe danach noch ein Weilchen, auch um mich mit ihm über meine Eindrücke aus Azerbeijan zu unterhalten. Er stimmt mir zu, das die Politik der Staaten hier gegenwärtig nicht auf Ausgleich ausgerichtet ist und alles sich sehr schnell zu einem Pulverfass entwickeln kann. Bestrebungen wie in seiner Predigt angedeutet, die sich mit den Schwertern zu Pflugscharen beschäftigte, seien nicht zu erkennen. Auch beklagte er den Mangel an jungen Leuten. Viele wandern ab in Länder, in denen es besser Bedingungen gäbe. Darunter sind zuallererst die Türkei und Russland zu nennen. Viele junge Leute nehmen auch nach der Hochzeit den orthodoxen russischen oder georgischen Glauben des Ehepartners an, der hier wesentlich weiter verbreitet ist. Azerbeijan, so korrigiert er mich, sei keineswegs ein muslimischer Staat. Sehr wohl achtet der Staat darauf, was in den Kirchen, Moscheen und Synagogen passiert. Förderung ist immer mit Kontrolle und Einfluss verbunden. Die Dynastie des Alijew-Clan wird noch lange das Land beherrschen, auch wenn sich zaghaft und dezent Wiederstand entwickelt. Die Frauen am Tisch liefern auch eine einfache Erklärung, warum das Obst und Gemüse an der Straße verkauft werden muss. Herr Erdoan bekommt so viel Unterstützung von der EU, dass er Früchte aller Art unter den Herstellungskosten hierher verkaufen kann. Also liegen die billigen Importe im Supermarkt und der Bauer wird seine Produkte nicht los und verkauft sie lieber an der Straße!

Ich fahre an einem NATO-Trainingscentrum vorbei. Es ist schon verwunderlich, weshalb der Musterkandidat Georgien nicht in die NATO darf. Aber das ist Politik. Das Camp liegt bezeichnenderweise mitten in der Halbwüste, irgendwo im Nirgendwo.

Irgendwann taucht die Grenze auf. Trotz der langen Schlangen bin ich nach 20 Minuten durch. Auch auf der Armenischen Seite dauert die Prozedur nur 40 Minuten. Ich muss mein Motorrad verzollen. Der Wert wird mit 5000 Euro angegeben, weil man sich nicht vorstellen kann, dass solch ein Gefährt mehr wert sein könnte. Zuvor jedoch werde ich von freundlichen Russen darauf hingewiesen, dass ich am anderen Schalter zuerst die Straßennutzungsgebühren bezahlen muss. Grinsend komme ich wieder und stelle mich an der Stelle in die Schlange, an der ich vorher stand. Motorräder sind von den Gebühren befreit, erkläre ich ihnen. Welche Nationalität ich hätte, werde ich gefragt. Kommentar: Typisch die Deutschen, für Alles haben sie eine Freikarte!

Ich fahre durch ein wunderschönes Tal. Sehr hoch ragen zu beiden Seiten die Felsen empor. Den Abzweig zum Kloster Haghpat finde ich noch rechtzeitig. Ich schraube mich weitere 600m über Serpentinen höher in ein kleines Dorf, in dessen Mittelpunkt dieses Kloster aus dem Jahre 966 liegt. Es gehört zum Weltkulturerbe und besteht aus zahlreichen Einzelkapellen und Wirtschaftsgebäuden auf engstem Raum. Die Steine für die Bauten sind ohne Bindemittel zusammengefügt, um in dieser erdbebengefährdeten Gegend besser bestehen zu können. Welch einen Gegensatz dazu bilden die Häuser der Dorfbewohner!

Bei der Weiterfahrt muss ich eine Umleitung von 40 -50 km nehmen. Die Passstraße soll bis auf 1840 m führen. Ich teste mein Höhenmesser und bekomme 1800 m als höchsten Punkt bestätigt. Das kann man so gelten lassen. Es soll sogar möglich sein, auf über 2000 m zu kraxeln, aber ich nehme lieber den Tunnel.

Ich muss das beste Hotel am Platze nehmen. Entgegen meiner Gewohnheiten habe ich im Vorfeld kein Geld getauscht. Auch an der Grenze habe ich keine Wechselstuben gesehen. Aber ich habe Glück, der Administrator erkundigt sich bei seinem Kumpel nach dem Wechselkurs und ich kann mit Euro bezahlen. Später finde ich heraus, das Hotel sei überteuert, was ich nur bestätigen kann. Die Räume seien sauber aber mit einigen Mängeln, auch das kann ich bestätigen. Den wesentlichen Vorteil für mich habe ich schon erwähnt. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass es nicht unmittelbar im Zentrum liegt. Dort ist nämlich am heutigen Sonntag Volksbelustigung mit Musik angesagt!

13. Tag 2017

13. Tag

Der Muezzin ruft pünktlich beim Sonnenaufgang um 5.30 Uhr zum Gebet. Aus mehreren Gründen kann ich mich umdrehen und noch ein wenig im Bett verweilen. Anderenfalls könnte ich es schon verstehen, weshalb in Israel der Muezzin zwischen 23.00 und 7.00 Uhr nicht rufen darf. Seine Aufforderung zum Gebet kann zu bestimmten Tagen nämlich sehr lange dauern. Natürlich sind solche Gesetze Einschränkung der Religionsausübung. Bayern hat es ja auch gemacht und verbietet das stündliche Läuten der Kirchenglocken zwischen 22.00 und 6.00 Uhr. Ja, so wird man immer und überall unterdrückt.

Frühstück gibt es erst ab 8.00 Uhr. 15 Minuten vorher werde ich des Raumes, der voll hergerichtet ist, verwiesen. Dabei wurde ich freundlicherweise ohne Aufforderung um 7.00 Uhr vom Telefon geweckt. Also warte ich die Zeit ab. Eine Sorte Wurst, kein Käse, hartgekochte Eier, mehrere Sorten Marmelade und Faldenbrot! Kaffee wieder als Instant-Kaffee, Tee, Milch, Jogurt und Quark. Wie schön ist das Frühstück bei Apetito!

Die Fahrt zum Dorf, das so wundervoll sein soll, entpuppt sich wieder einmal als Flop. Von der Zitadelle, die von der russischen Zarenarmee gebaut wurde, ist von der Straße aus nicht viel zu sehen. Das habe ich mir gewaltiger vorgestellt. Dafür kann ich die letzten Mannas in Euro zurück tauschen. Das ist in solchen Staaten nicht selbstverständlich. Die anderen beiden Sehenswürdigkeiten, die ich mir vorgenommen habe, sind wieder nicht ausgeschildert und sehr weit von der Straße entfernt. Am letzen Ort vor der Grenze gebe ich das Kleingeld aus. Seltsamerweise habe ich heute keine Händler an den Straßen mit Obst und Gemüse gesehen. Dafür wird die Straße etwas schlechter. Die Grenze kommt wieder einmal unvermittelt. Nach einer Stunde bin ich drüben. Gelangweilt überprüft der georgische Grenzbeamte die Motorradpapiere. Der andere Beamte will zuerst irgendetwas kontrollieren aber winkt mich durch als er bemerkt dass ich Deutscher bin. Beide haben einen recht hohen Body-Maß-Index!

Dass in Georgien alles anders ist, kann man so nicht sagen. Auffällig ist nur, dass der georgische Staat etwas mehr für die Leute macht und keine Prunkbauten errichten lässt. Je weiter ich nach Georgien komme, desto höher ist der Grad der Mechanisierung in der Landwirtschaft. Sehenswürdigkeiten sind ausgeschildert und das Wein-Geschäft wird langsam profitabel. In den Bergen werden auch hier Haselnüsse in Plantagen angebaut. Trutzig stehen an einigen Ortseingängen Kreuze.

Im Gegensatz zu Baku ist Tiblissi ein einziges Chaos. Das trifft sowohl für den Verkehr zu als auch für die Bauweise. Mein Hotel befindet sich an Nordrand der Altstadt. Keines der Häuser ist jünger als 100 Jahre. So sehen dann auch die Bürgersteige aus. Alles wirkt ein wenig verstaubt und atmet den Geist der Jahrhunderte. Auf hochdeutsch heißt das: seit der Einführung des visafreien Verkehrs zwischen Deutschland und Georgien vor einigen Jahren haben 5 % mehr Menschen Reisen in den Schengen-Raum unternommen. Der Rest kann es sich schlichtweg nicht leisten. Andererseits kommen dadurch auch nicht mehr Touristen hierher, denn es ist seitdem keine neue Fluglinie eröffnet worden. Georgien ist Speziell und ist ein Geheimtipp für Leute, die das Außergewöhnliche lieben. In dem deutschen Hotel und Restaurant, welches hier schon seit 20 Jahren besteht, bin ich der einzige Gast und werde zum Abendbrot von 4 Frauen umsorgt. Erst ganz spät verirren sich noch 3 Jugendliche auf ein Glas Wein hierher. Dabei ist es ganz bezaubernd schön hier, wie in fast allen Cafes und kleinen Hotels, häufig mit 2-5 Zimmern, in dieser Stadt. Reservieren muss man jedenfalls hier nicht!

14. Tag 2017

14. Tag

Heute soll Ruhetag sein. Der Körper reagiert ganz komisch auf diese hohen Temperaturen. Ich bin schlapp und möchte nur schlafen. Weniger das Essen oder die Höhe macht Probleme, wie ich anfangs befürchtet habe, sondern die Temperaturn zwischen 32-36 Grad im Schatten.

Beim Frühstück zeigt es sich, dass ich tatsächlich der einzige Gast bin. Es ist alles da, was man zum Frühstück benötigt. Kaffe aus der Espresso-Maschine ist mal eine willkommene Abwechslung. Ich muss planen, aber mir fehlen Informationen. Also begebe ich mich in die Innenstadt. Die Fahrt mit der U-Bahn ist ein Abenteuer für sich. Die Bahnsteige liegen in einem eigenartigen Dunkel und ich ertappe mich dabei, alles schmutzig zu empfinden. Aber bis auf die üblichen Unebenheiten funktioniert alles und die Züge sind pünktlich. Es ist Shabat und hier im Zentrum ist die größte Synagoge. Familien, bei denen die Erwachsenen diese kleine Kappe aufhaben, begegnen mir sehr häufig. Heiner B. erklärt mir am Telefon, dass ich kein Roadbook für Georgien und Armenien benötige. Alle Sehenswürdigkeiten sind ausgeschildert. Ich gebe zu, dass ich diese Antwort von einem Reiseveranstalter so nicht erwartet habe.

Ich stelle mich in die Schlange und warte ½ Stunde, bis ich mit der Seilbahn zur Festung fahren kann. Oben auf der Festung kraxeln irgendwelche Leute mit Kindern, die vorher hinter mir in der Schlange standen, abseits der Wege umher, bis sie nicht mehr weiter können. Ich frage die Kraxler in ihrer Sprache, woran die Menschen ringsumher erkennen, dass sie Russen sind!

Ich besuche noch die Dreifaltigkeitskirche, die sich mit ihrer goldenen Kuppel hoch über die Stadt erhebt. Etwas gut betuchte Leute lassen hier in einer privaten Zeremonie ihre Kinder segnen oder lassen sich den Segen für ihre Eheschließung geben. Abseits, beim Heruntergehen, bemerke ich, dass einige junge Damen zwar sehr gut gestylt sind, aber den Sekt zusammen mit der Hitze nicht so gut vertragen. Oder liegt es nur daran, dass sie die falschen Schuhe für dieses Pflaster gewählt haben?

Zwei Sehenswürdigkeiten am Tag reichen. Ich muss relaxen. Probleme erreichen mich aus Deutschland. Und die Planung für die nächste Zeit steht immer noch nicht. Wichtige Leute aus Yerewan melden sich nicht. Andere, aus völlig anderen Richtungen fragen, wann ich denn nun endlich kommen würde. Das ist kein Urlaub.

Trotzdem mache ich eine Grobplanung für die nächste Woche und genieße ein Bier zum Abendbrot. Morgen ist Sonntag! Und obwohl ich früh zu Bett gehe schlafe ich unruhig.

12. Tag 2017

12. Tag

Das Hotel war gut ausgebucht. Auch hier dominiert die russische Sprache bei den Gästen, obwohl alle Fahrzeuge Kennzeichen aus Azerbeijan haben. Auch das Frühstück ist typisch russisch. Es fehlt die Vielfalt an Früchten aber dafür gibt es dicken Gries-Brei und Blinys. Das sind Crepes, die man mit mancherlei Zutaten essen kann. Ich bevorzuge sie mit gezuckerter Kondensmilch oder saurer Sahne.

Natürlich besichtige ich die Juma-Moschee. Viermal muss ich fragen, bis ich sie finde. Sie ist unübersehbar an einer Ausfallstraße. Natürlich hat das Staatsoberhaupt persönlich angeordnet, diese Moschee größer und schöner an alter Stelle bauen zu lassen. Durften die Gläubigen das nicht selbst entscheiden? Hatten sie wirklich kein Geld dafür oder kein Interesse daran?

Lahic, das Kupferdorf, zeigt mir, dass ich mich im anderen Azerbeijan befinde. Nach 18 km in den Bergen wird die Straße so schlecht, dass ich überlege umzukehren. Doch oben im Dorf herrscht eine andere Welt. Durch die kleinen Gassen schieben sich die Touristen wie in Venedig. Es wird alles Mögliche angeboten, hauptsächlich verschiedene Kräuter für Tee und Aufgüsse oder als Gewürze. Safran ist dabei und Kamille, Schachtelhalm und viele andere Sachen, deren Namen ich nicht kenne. Der Kupferschmied, bei dem ich reinschaue, arbeitet an einem Blechrohr. Einige seiner Ausstellungsstücke hat er sicher selbst gearbeitet aber einiges ist auch so eben, das es aus einer Fabrik stammen könnte. Auch Felle kann man hier in den Gassen kaufen sowie Teppiche und Barby-Puppen aus Fernost.

Doch, dieser Abstecher hat sich gelohnt. Der Abstecher zum Maiden´s Castle ist jedenfalls ein Flop. Zwar gibt es dieses Schloss aus dem 11. Bis 13. Jahhundert, aber es ist in den Bergen, ca. 2 Stunden Fußweg vom Ferienzentrum an Ende der befestigten Straße entfernt. Unverrichteter Dinge kehre ich um.

Die Wasserfälle von Quabala sind nicht ausgeschildert. Darauf hatte ich mich verlassen. Also lasse ich sie aus. Allerdings ist der Hinweis auf die „Ancent turbes“ unübersehbar. Doch das gehörte nicht zu meinem Programm. Dabei ist das Geschichte, die ein jeder Bildungsbürger wissen müsste. Gabala war die erste Hauptstadt von Albanien für 900 Jahre seit dem IV Jahrhundert vor Christus. Die Römische Armee griff Albanien ca. 60 Jahre vor Christus an und konnte Gabala nicht besetzen. Die beiden Türme, die heute noch zu sehen sind, gehören zu einer Befestigungsanlage aus jener Zeit. Der Innendurchmesser des einen Turmes beträgt 3 m und er ist mindestens 6 m hoch gewesen. Der andere erhaltene Turm hat eine rechtwinklige Grundform und hatte damals eine Höhe von 14 m. Dann wurde die Hauptstadt irgendwann aufgegeben und die Albaner zogen sich in das unwirtliche Tiefland zurück. Großen Einfluss auf diese Entwicklung hatte die Eroberung durch die Araber. Wieweit die heutige Bevölkerung Albaniens am Mittelmeer mit dieser im Kaukasus verwandt ist, ist Gegenstand der heutigen Forschung. Balkan-Albanien hat heute jedoch andere Probleme, als sich um seine Geschichte zu kümmern.

Sheki ist nur 30 km entfernt und gehört zum Programm der meisten Touristen, die es wagen dieses Land zu besuchen. Eigentlich ist es eine Stadt wie jede andere, doch sie hat Besonderheiten. Die Sehenswürdigkeiten sind ausgeschildert. Wenn man in die Nähe der Karavanserei kommt, verschwinden die vielen Trödler und saubere Steinhäuser mit Balkonen erwecken den Eindruck aus ganz vergangenen Zeiten. Die Straßen sind sauber und ich kann es mir sehr gut vorstellen, wie hier Busladungen von Touristen abgeladen werden, die danach meinen, Azerbeijan zu kennen. Den Besuch der Albanischen Kirche lasse ich aus, obwohl ich dazu nur 5 km fahren müsste. Bei meiner Weiterfahrt werde ich durch die Dörfer geschickt. Es fällt mir auf, dass hier Tabak angebaut wird und der Mais in großen Gestellen getrocknet wird. Im Baumarkt sind die Steine nicht nur abgekippt, sondern auch gestapelt. Allerdings kann ich auch Dörfer sehen, deren Kirche jetzt eine Moschee ist. ICH meine, dass sich Kirchen und Moscheen sowohl im Grundriss als auch in einigen Verzierungen unterscheiden.

Meine Fahrstrecke heute bewegte sich zwischen 500 m und 1200 m Höhe. Die Temperaturen waren so zwischen 34 Grad in der Tiefebene und 24 Grad im Hochland. Insgesamt habe ich viele Bäume und Felder gesehen und alles ist mir von der Landschaft her sehr vertraut. Man meint im Hügelland oder im Mittelgebirge zu sein. Wenn nur die Fahrweise nicht wäre. Statt einer Fahrerlaubnis erhält jeder Absolvent eine Kurvenschere. Natürlich hat jedes Fahrzeug auch einen Rückspiegel, in den man schauen muss, wenn ein Hupsignal ertönt!

Brigitte, ich verspreche Dir: ich bin eine Straße erster Ordnung gefahren. Trotzdem waren es 10 km Schotter! Andere Straßen, auch solche 3. Ordnung waren relativ in Ordnung, jedenfalls hier im Norden! Auf der letzten Schotterpiste begegnete mir ein Biker-Paar mittleren Alters. Die Frau tat mir leid, schon 10 km hatten sie sich über diesen Schotter bei sengenden 34 Grad gequält. Tja, biken und Motorrad-fahren ist ein Unterschied. Den beiden Motorradfahrern aus Italien ging es sichtlich gut. Sie waren mit dem Motorrad über die Türkei angereist.

Mein Ziel heute besitzt einige Attraktionen, von denen ich mich morgen überzeugen möchte. Der erste Eindruck ist vielversprechend. Zum ersten Mal in einem Ort begrüßt mich der Muezzin, eine Stunde vor Sonnenuntergang. Auch nach Sonnenuntergang kann ich aus den verschiedenen Himmelsrichtungen Rufe von den Minaretten hören. Das teuerste Hotel am Platze ist halb so teuer wie gestern. Dafür werden selbst am Busbahnhof die Bürgersteige um 18.00 Uhr hochgeklappt. Ich habe Mühe eine Flasche Wasser zu erstehen. Dafür kommen gute Nachrichten aus Tiblissi: ich habe eine Unterkunft und mache dort einen Ruhetag. Das erste Drittel der Reise ist, wenn ich die Grenze morgen überschreite, geschafft.

   

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