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11. Tag 2017

11. Tag

Es wird Zeit für ein wenig Luxus. Grundsätzlich habe ich ja Nichts gegen Billig-Hotels. Das Bett hatte eine 2 cm dicke Schaumstoffmatratze über der eine alte Steppdecke lag. Darüber das Bettlaken. Weil das Zimmer keine Klimaanlage besaß musste das Fenster offen bleiben. Ich meine, dass eine Stunde lang in der Nacht kein Auto an meinem Zimmer vorbeifuhr. Meine schlechte Laune wurde auch nicht besser,als ich für 2 Spiegeleier mit Brot und Tee 3 Euro zu bezahlen hatte. Leise beschlich mich das Gefühl, dass ich hier übers Ohr gehauen werde. Beim Herausfahren aus der Stadt wollte ich dem Motorrad für seine treuen Dienste noch was Gutes gönnen. Dabei stellte ich fest, dass die Antriebskette gespannt werden müsste. Natürlich habe ich kein Werkzeug dabei! Also muss ich eine kleine Werkstatt suchen und los. Natürlich finde ich eine Werkstatt. Danach besichtige ich noch den jüdischen Stadtteil von Quba, in dem alles etwas gepflegter aussieht. Die Hauptattraktion der Stadt ist eine Moschee. Die Aufsicht ist skeptisch, als ich nach einer Besichtigung frage. Als ich jedoch im Eingangsbereich meine schweren Motorradstiefel ausziehe ist alles in Ordnung. 200 Menschen haben in der Moschee Platz zum Beten, Männer und Frauen gemeinsam. An Freitagen sind es nochmal 200 im Außenbereich.

50 km von Quba liegt das höchste Dorf Europas in 2300 m Höhe. Ja, politisch bin ich in Europa, auch wenn die Geogafen es anders sehen. Ich fahre durch herrliche Wälder, schlängele mich durch Dörfer und tief eingeschnittenen Canyons. Sehr schnell bin ich oberhalb der Baumgrenze. Die Temperaturen gehen derweil auf 20 Grad herunter. Die Straße ist akzeptabel und der Verkehr mäßig. An den Wochenenden treibt es die Leute hierher um Picknick zu machen oder einfach die Naturschönheiten bei angenehmen Temperaturen zu genießen.

Ich verlasse die östliche Seite des Kaukasus und fahre in Richtung Süden. Wieder sind es 34 Grad im Schatten, aber inzwischen bin ich es ja gewöhnt. Die Halbwüste wird nicht besser, als ich nach Westen schwenke und entlang des Kaukasus fahre. Sehr langsam steigt die Straße auf 6-700 m. Ab ungefähr 500 m ist ein wenig Landwirtschaft möglich.

Shamaki heißt meine Endstation heute. Sie war dereinst die Hauptstadt des Staates Shirvan. 1717 haben die Dagestaner unter der Herrschaft des Kalifates diese Stadt zerstört. Unter der russischen Herrschaft war es die Hauptstadt des Shemaka-Governements. Nach dem fürchterlichen Erbeben von 1859 wurde die Hauptstadt nach Baku verlegt. Noch heute ist diese Region eine der Erbeben-aktivsten Regionen der Welt. Bei einem Beben im Jahre 1902 wurde die 743 gebaute Juma-Moschee völlig zerstört. Sie gilt als die älteste Moschee im Kaukasus. Heute ist sie rekonstruiert. Ich hoffe, dass mein Hotel in dieser Nacht noch stehen bleiben wird. Es ist ein 10-Etagen Prunkbau, das erste Hotel am Platze. Nach Baku ist es auch das teuerste für mich in Azerbeijan. Ich relaxe und bin froh, allen Schreibkram erledigt zu haben. Sogar die Verbindung nach Hause klappt ohne zu ruckeln.

10. Tag 2017

10. Tag

Ein Fahr-Tag, wie es ihn auch im Urlaub geben muss, liegt vor mir. Beim Frühstück stelle ich fest, dass ich nicht der einzige Gast bin. 7 junge Leute aus Korea machen Urlaub in diesem Land und sind hier untergekommen. Leider sprechen sie nur wenig englisch. Es ist schön, wenn man sich so frei bewegen kann. Rechtzeitig bin auch auf der Autobahn. Der starke Seitenwind (ca. Windstärke 7 schräge von vorne) macht mir doch zu schaffen. Besonders als ich aus Richtung Osten aus der Niederung an das Meer komme und es um 11.00 Uhr schon 34 Grad warm ist. Chaotischer Verkehr herrscht in der Großregion Baku. 25 Prozent der Bevölkerung des Landes leben in dieser 2,5 Millionen Region. Trostlos und öde ist die Landschaft auch, als ich weiter in Richtung Norden fahre. Diese Halbwüste finden wir auch in Zentralazerbeijan. Es sieht aus wien in Afghanistan, Tunesien, Indien oder Kasachstan. Ich sehe einige Windkrafträder, die jedoch trotz des starken Windes stille stehen. Es ist vorstellbar, dass der Staub sie stillgelegt hat oder die Anschlüsse an das Stromnetz nicht klappen. Auch die Solarkollektoren, die ich mehrmals sehe, sind sehr verstaubt und ich bezweifele, dass sie effektiv arbeiten. Stromkabel sehe ich nicht so dass die Vermutung nahe liegt, dass sie nicht angeschlossen sind.

Der Verkehr ist katastrophal. Sicherheitsabstand gibt es nicht. Fahrspuren werden nicht eingehalten. Geschwindigkeitsbegrenzungen werden von vielen modernen Fahrzeugen ignoriert. Dazwischen immer wieder die völlig untermotorisierten LKW aus sowjetischer Produktion, die sich teilweise mit 30 km/h die kleinen Anhöhen heraufquälen. Als Motorradfahrer oder Ausländer werde ich nicht akzeptiert oder wahrgenommen. Aus irgendwelchen Ausfahrten schießen Fahrzeuge auf die Autobahn und als ein Kleinbus von der Polizei gestoppt wird weicht er aus, so dass ich beinahe von der Straße gedrängt werde.

Gerade im richtigen Moment taucht eine Karavanserei auf. Oh was habe ich diese Einrichtungen in Russland verachtet und bin immer noch froh, dass es sie inzwischen nicht mehr gibt. Ja, Azerbeijan ist Russland wie es vor 30 oder 70 Jahren war! Aber was ist eine Karavanserei? Nun es sind ca. 10-20 gleichförmige aneinandergereihte Buden entlang der Straße, die alle das gleiche anbieten. Autos und auch Busse halten wild durcheinander hier an und die Insassen versorgen sich. Neben den üblichen Kaltgetränken gibt es Tee und Hackfleischröllchen vom Grill im Wrap. Und es gibt die einzige Toilette entlang der Straße auf 500 km. Erst danach verstehe ich den Grund für ausgerechnet diesen Standort. Ab jetzt „küsst“ der Kaukasus das Meer. Das Thermometer fällt auf angenehme 30 Grad im Schatten. Die ersten Bäume zeigen sich. Die Landschaft wird lieblicher und der Boden fruchtbarer. Die Gegend ist für ihre Äpfel berühmt, aber es gibt nicht nur Äpfel. Ich unterhalte mich längere Zeit an einem der Verkaufsstände an der Straße. Hinterher stelle ich fest, dass ich bestimmt schöne Fotos hätte machen können. Wenn ich das richtig verstehe, dann verkauft er auch eine Art von Rosenwasser in Likörflaschen. Diese Flüssigkeit in den Tee gegossen, soll nach alter indischer Meinung den Kreislauf anregen und das Herz stärken. Alkohol kann ich beim Probieren der Flüssigkeit nicht entdecken!

An einem anderen Stand hängen bunte Fladen. Sie scheinen ein wenig durch und erinnern an große dünne Scheiben Schinken. Es sind Früchte aller Art und aller Farben. Diese werden püriert und ein wenig an der Sonne getrocknet. Danach wird die Masse zwischen zwei Plastik-Folien gepresst oder durch eine Mangel gedreht und fertig. Es schmeckt sehr süß uns ist sicher gesünder als unsere Bonbon.

Bayraq ist ein Ort, in dem manchmal ein Folklore-Festival stattfindet. Für mich ist es nur „Disney-Land“. Die vielen kitschigen Figuren haben aus meiner Sicht nichts mit Kunst oder Volkskunst zu tun. Aber so ist das immer mit minderbemittelten Autoritäten: sie wollen bestimmen was Kunst ist.

Der Strand am Kaspischen Meer wird von dunklem Sand beherrscht. Es ist ein schöner Strand. Er ist nicht überlaufen und wie in Frankreich dominieren auch hier die Cafés. Weil ich auch zu Hause kein „Strandtyp“ an der Ostsee bin, belasse ich es hier bei einigen Fotos. Quba ist die nächste Provinzstadt. Das erste Hotel am Platze ist ausgebucht. Aber es gibt noch zwei weitere, die von außen schon billig aussehen. Aber für 15 Euro verzichte ich wieder einmal auf das Internet. Ich investiere das gesparte Geld in ein Abendbrot. Morgen Vormittag ist Besichtigung der Gegend angesagt!

8. Tag 2017

8. Tag

Sonntag ist immer ein besonderer Tag. Je nach Bedarf geht man in die Kirche oder entspannt oder macht beides.

Der Abend gestern war ein schöner Ausklang. Also gilt es heute alles zusammenzupacken und rechtzeitig beim Frühstück zu sein. Türkisches CNN zeigt, wie man sich im kasachischen Parlament zu benehmen hat. Sogar die Frauen kloppen sich, whouu Herr Erdogan, das ist die Kultur die wir brauchen! Kaffee muss man sich wieder selbst nehmen, denn der Kellner ist in diesem 4-Sterne Frühstück-Raum total überfordert. Er hat nicht einmal Zeit, nach der Zimmernummer zu fragen. Auch Zucker und Servietten fehlen an über der Hälfte der Tische und das, obwohl nur an 5 Tischen Gäste sitzen. Man kann auch geistige Windstille durch Hektik ersetzen, aber dieser Mann scheint sogar im gehen zu schlafen. Dafür klimpert wieder der Klaviervirtuose zu den Nachrichten. An einem Tisch scheinen sich zwei Männer zu streiten. Dabei begreift die Umgebung nicht, dass sie allein wissen, wie die Welt funktioniert und nur einer von ihnen kann Recht haben, Basta! Immerhin ist jeder in seiner Sippe von 10 Leuten der Chef und bestimmt, wer wen wann zu heiraten hat. Da weiß man, mit welcher Lautstärke man zu reden hat.

Pünktlich 10 Minuten vor Beginn des Gottesdienstes bin ich an der Kirche. Es ist unerträglich heiß. Sogar beim Gottesdienst laufen die Ventilatoren. Die Kirche ist nach der kommunistischen Ära ein Konzertsaal und wird für den Gottesdienst für jeweils 20 Euro gemietet. Die Sammlung unter den 15 Besuchern erbringt durchschnittlich 10 Euro! Nur eine Frau kann ein gebrochenes Deutsch, ale anderen sprechen russisch. Ich werde zum „Tee“ gebeten. Leider ist der „Gemeinderaum“  fußläufig 10 Minuten entfernt. Es ist schon eine Erfahrung, solche Stätten zu besuchen! Auch verstehe ich jetzt besser, was der Bischoff meinte, dass die Gemeinde russisch geprägt ist. Nur wenige helfen mit die Tische zu decken, oder sonst irgendwie anzupacken. Stattdessen werden mir die Ohren vorgeheult, wie gut es im Sozialismus war ohne zu begreifen auf welcher Grundlage diese Sowjetunion überhaupt existieren konnte. Andererseits werde ich positiv geschockt durch Fragen nach den Manns aus Lübeck und Details zu den Romanen der beiden Brüder. Der Fragesteller ist eine Person, der ich so etwas nicht im entferntesten zugetraut hätte. Trotzdem ist es insgesamt eine positive Erfahrung, die ich in keiner Weise bereue. Auch das soziale Engagement der aktiven Kirchenmitglieder ist bewundernswert. Spät, viel zu spät verabschiede ich mich.

Eigentlich wollte ich ganz woanders hin, lande aber bei den Petroglyphen. Erst um 1930 hat man diese Steinzeit-Zeichnungen entdeckt. Bereits 2000 vor Christus sollen sie entstanden sein. Für mich ist es deshalb etwas Besonderes, weil ich im letzen Jahr solche Zeichnungen in Karelien wegen des Hochwassers nicht besichtigen konnte. Hier, an einer Abbruchkante des Kalksteines zum Kaspischen Meeres, siedelten schon in der Steinzeit Menschen für eine lange Zeit und ernährten sich durch Fischfang und in dem sie Wild die Kante herunter trieben. Aus den verschiedenen Zeichnungen will Heyerdahl Vikinger-Boote und lange Menschen entdeckt haben. Im Gespräch mit dem „Führer“ ergibt es sich, dass er die Schlamm-Vulkane erwähnt. Natürlich hat er einen Freund, der mich dahin führt. Für 20 Manna, den Tagesverdienst eines Arbeiters, bringt sein Freund mich hin, denn die Vulkane sind 30 km entfernt im Nirgendwo. Das deckt sich mit den Angaben aus meinem Reiseführer und so nehme ich sein überteuertes Angebot an, auch wenn der Preis doppelt so hoch ist. Er selbst erhält für seine Dienstleistung auch nochmal 10 Manna, was etwa 5 Euro entspricht.

Ich habe keine Lust, das ganze Areal der Schlamm-Vulkane bei 39 Grad im Schatten mit Motorrad-Klammotten abzulaufen. Auch wenn einige zeitweise bis zu 6 m hoch „springen“ können, so reicht mir das Naturschauspiel als solches. Es ist schon ulkig, so etwas, was man nur aus dem Fernseher kennt, mal in Realität sehen zu können. Überall blubbert es mehr oder weniger intensiv vor sich hin. Dafür hat es sich gelohnt hierher zu kommen! Ringsherum ist alles sehr staubig, so oder so ähnlich muss Halbwüste sein. Ich sehe verschlossene Bohrlöcher und viel Unrat, der wahrscheinlich zu einer anderen Jahreszeit ins Meer gespült wird und dann weg ist.

Lieber Herr Staatschef! Du hast alle Länder an Deinen Grenzen zu Feinden: Russland, Georgien, Armenien und sogar den Iran. Hast du dich mal gefragt warum der Iran dein Feind ist? Fahre doch einfach mal diese Straße entlang anstatt immer zu fliegen. Dann wirst du es wissen! Und denke daran: wer hoch fliegt kann tief fallen!

Erst als ich in die Nähe des „kleinen Kaukasus“ komme, wird alles besser. Die Temperaturen fallen auf angenehme 32 Grad. An den Straßen werden Weintrauben angeboten. Gegen 20.00 Uhr treffe ich im Zielort ein. Das Hotel hat seine Preise erhöht und liegt nun etwas über meinem Budget. Auf der einen Seite des Hotels ist die Hauptstraße, auf der anderen Seite die Eisenbahn in den Iran. Hinter der Eisenbahn befindet sich der Strand. Zum ersten Mal auf dieser Reise esse ich Abendbrot mit Appetit! Nach den üblichen Tätigkeiten (heute ohne Bilder) gehe ich schlafen. Das Hotel scheint mitten in der Saison nicht ausgebucht zu sein. Auch hier dominieren Russen, die sich am Ufer des Kaspischen Meeres erholen wollen.

Morgen möchte ich es, ähnlich wie heute, ruhiger angehen lassen.

9. Tag 2017

9. Tag

Dass ich Montage schlimm finde, kann ich eigentlich nicht sagen. Beim Frühstück bin ich der einzige Gast. Das Buffet entspricht einem guten 3-Sterne Standard bei uns. Einzig der Kaffee wird aus Instant-Kaffee erzeugt. Um 10.00 Uhr bin ich auf der Strecke. Heute haben auch die Banken auf. Als ich ein wenig verlassen bei der Menschentraube stehe, die vor der Kasse alle auf einmal mit dem Kassierer reden, entdeckt mich ein Wachmann. Ich bedeute ihm, dass ich Geld tauschen will. Er ruft das dem Kassierer zu. Nach einigen Minuten hält der Kassierer mit seiner Arbeit inne und verlangt nach mir. Ehrfürchtig treten alle beiseite nur um sich hinter mir wieder zu versammeln. Genau muss jeder zusehen, wie der Kassierer die Banknoten prüft. Peinlich achten sie darauf, wie ich unterschreibe. Und natürlich wollen alle sehen, ob der Bankangestellte sich beim Herausgeben auch nicht verzählt. Danach geht das verbale Feuerwerk auf den Kassierer weiter!

Die „brennenden Quellen“, deren wegen ich diesen weiten Weg in den Süden auf mich genommen habe, sind ein Flop. Sie entpuppen sich als beliebte und gut besuchte Heilquelle und ich muss schon ein wenig warten bis ich meine Wasserfalsche auffüllen kann. Brennen tut hier jedenfalls Nichts. Die zweite Attraktion soll ein Kurort in den Bergen des kleinen Kaukasus sein, ca. 50 km abseits der Hauptstraße. Er soll „in den Wolken“ sein, so dass dort in diesem subtropischen Klima sogar Tee geerntet werden kann. Nach 20 km breche ich ab, denn die Straße wird immer katastrophaler. Ich hatte meiner Frau versprochen, keine Feldwege zu fahren!

Es ist Sommer, mithin Haupterntezeit. Zwiebeln, Kartoffeln, Birnen, Weintrauben, Melonen, Erdbeeren, Brombeeren, Getreide und noch viel mehr wird direkt an der Straße angeboten. An einer der vielen kleinen Bäckereien darf ich beim Brotbacken zusehen. Zuerst versteht man mich nicht, aber dann ist alles kein Problem. Ich sehe 4 Frauen hier an 3 Rund-Öfen arbeiten und keinen Mann! Das heißt, dass auch sie die Öfen mit Holz anheizen und die Wärme der Glut dann alleine regulieren. Der Brotteig wird mit etwas Wasser an die Wand des Ofens geklebt und gut. Irgendwann gegen 15.00 Uhr beschließe ich etwas zu essen. Von den 3 Männern, die das Cafe-Restaurant an der Straße betreiben, kann einer russisch. Ich bedeute ihm, dass ich eine Kleinigkeit essen möchte und viel trinken möchte. Er beschließt mir Hackfleischröllchen zu servieren mit frischem Gemüse und Brot und Cola. Alles zusammen für 3 Euro. Nebenbei erfahre ich, dass seine Rente 20 Euro im Monat beträgt!

Auf meine Fahrt in den Norden beschließe ich einen kleinen Abstecher zu machen. Es reizt mich, die Gegend, in der Baumwolle angebaut wird, zu sehen. 60 km sind Straße zweiter Ordnung (gelb). Danach gibt es in meinen Karten noch die 3. Ordnung (weiß) und Feldwege. Ich lerne am heutigen Tag, dass bereits die Straßen zweiter Ordnung für einen 60-jährigen alten Mann nicht optimal sind. 40 km sind nämlich reine Schotterstrecke, so wie ich sie am Polarkreis in Russland als Sommerstraße vorgefunden habe. Gute 10 km musste ich im Stehen fahren und Jürgen weiß, dass ich das nur dann mache, wenn es unbedingt nötig ist.

Baumwolle finde ich nicht. Entweder gibt es sie nicht mehr in dieser Gegend, oder ich habe etwas übersehen. Die Kanäle sind in keinem guten Zustand, scheinen aber noch zu funktionieren. Manchmal sehe ich Männer an den Ufern angeln. Auffallend ist auch, dass hier sehr viele Motorräder fahren. Es sind alte ISCH-Motorräder aus der Sowjet-Zeit. Sie werden hier immer noch als Last-Esel benutzt, weil man sich einen alten Lada hierzu nicht leisten kann. Auf den Feldern wächst viel, ich kann sogar Plantagen von Obstbäumen entdecken. Ob es eventuell auch Zitrusfrüchte sind, kann ich nicht erkennen.

Danach ist die Straße in einem Super Zustand, so dass ich noch ein wenig „Strecke mache“! Mein Zielort ist eine Industriestadt mit ca. 50 000 Einwohnern. Ich finde nach einigem Fragen ein Hotel. Als ich nach dem Preis frage, zeigt mir der junge Mann eine Zahl auf seinem Handy. Ich nehme sofort an. Für 7,50 Euro mit Frühstück muss man natürlich einige Nachteile in Kauf nehmen. So soll ich das Motorrad 5 Stufen die Freitreppe hoch fahren, damit es in der Hotellobby übernachten kann. Ich sehe schon das breite Grinsen von Jörg H. aber ich streike. Das ist mir zu riskant. Alles in der weitläufigen Lobby ist im dunklen Marmor gehalten, das Zimmer hat den Charme eines Wanderheimes, die Betten sind durchgelegen und die Kopfkissen steinhart, aber die Dusche funktioniert. Internet gibt es nicht und auch kein Cafe oder Restaurant in der Nähe. Willkommen im Urlaub!

7. Tag 2017

 

7. Tag

 

Gegen 6.00 Uhr werde ich wach. Danach döse ich ein und wache erst um 8.30 Uhr auf. Zu spät für einige Unternehmungen. Also um-planen. Nach dem Frühstück Wäsche waschen und sich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vertraut machen. Es soll zu einem Feuertempel gehen. Dieser wurde wahrscheinlich 2000 v. Chr. von Anhängern Zarazustras hier erbaut. Ihnen war das diabolische Feuer heilig. Also bauten sie hier in der fruchtbaren Region am Rande des Persischen Reiches ihre monotheistische Religion auf. Durch die Erdgase konnten sie auch leicht einen solchen Tempel bauen.

 

Alles ist gut ausgebaut, auch wenn es am Rande von irgendwo liegt. Weil der Staatspräsident hier war ist alles propper und gut. Seit 1998 ist dieser Tempel als UNESCO Weltkulturerbe angemeldet. Funktionieren tut er heute noch, denn nach den Persern haben die Inder den Tempel weiter genutzt. Die Inder kamen durch den Handel auf der Seidenstraße nördlich von hier in diese Gegend. Heyerdahl vermutet auch Vikinger hier, aber wann sie gekommen sind und wie viele es waren, ist nicht belegt.

 

Ich gebe zu, dass meine Kenntnisse der Zarotisitschen Lehre gegen Null gehen. Mit Nietzsche hat es jedenfalls wenig zu tun.

 

Folgerichtig sehe ich mir auch das Naturschauspiel der Flammen aus dem Berge an. Es ist nur ca. 20 km Luftlinie von hier entfernt und ich muss deswegen wieder in die City zurück. An diesem Naturschauspiel würde jeder Besucher achtlos vorbeifahren weil es in einem Tal liegt und unzureichend kenntlich gemacht ist. Sicher, die Flammen sind heute nicht 6m hoch gewesen, aber imposant ist es schon die Geräusche zu hören und den Flammen zuzusehen. Seitdem irgendein Idiot  um 1950 seine Zigarette da rein geschmissen hat, brennen die Gase ununterbrochen. Der Eintritt kostet 1 Euro, weil es ein staatliches Naturreservat ist; entschuldigt sich die Kassiererin.

 

Auf der Fahrt dorthin komme ich bei den Ölfeldern vorbei. Es hat sich nicht viel geändert in den letzten 100 Jahren. Deshalb halten diese Felder auch als Filmkulisse her(James Bond). Es ist leicht vorstellbar, wie die Leute hier damals das Öl mit der Hand gepumpt haben. Heute ist es nur staunenswert, denn viele Pumpen laufen immer noch!

 

Aus dem frühen schlafen gehen wird es nichts. Ich werde abgeholt. Sehr spät abends sitzen wir noch bei einem Absacker-Bier in der Nähe der Deutschen Botschaft zusammen und lassen den Tag ausklingen. Mein Gastgeber versichert mir glaubhaft, dass er ein Mehrfaches verdient als ein Minister seines Landes. Nur er hat sich bewusst FÜR dieses Land entschieden, mit allen Nachteilen. Es ist schön, Ziele und Ideale zu haben!!!!!

 

 

   

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