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6. Tag 2017

6. Tag

Alles verläuft gesittet. Das Hotel, in dem ich untergebracht werde, ist ein 4-Sterne Hotel. Wenn nur nicht das Geklimpere am Klavier zum Frühstück wäre. Das Buffet ist reichhaltig orientalisch. Das heißt: Früchte in allen Variationen dominieren. Ganz in Gegensatz zum Hotel in der Nacht davor. Es hatte auch 4 Sterne, kostete nur 1/3 und das Frühstück bestand aus Käse, Butter, Fladenbrot und Kaffee. Es war ein stadtbekanntes „Gay“-Hotel. Noch nie bin ich bisher so mit Homosexualität konfrontiert worden. Zum Glück lassen mich die „Brüder“ in Ruhe, nachdem die Fronten klar sind! Aber Bedenken hatte ich schon!

Stadtbummel in Baku ist angesagt. Ich verstehe nicht, dass man nach Kuba muss, um Exotisches zu erleben. Kommt hierher, Leute! Alles ist da! Baku hat es! Moderne Bauten, halbwegs gute Infrastruktur und keinen Massentourismus. Die Altstadt ist UNESCO Weltkulturerbe und erstreckt sich auf über 20 ha. Es erinnert ein wenig an die Kasbah in Tripolis oder Tunis, aber hier lebte die Oberschicht! Also ist alles ein wenig eleganter und wird liebevoll erhalten. Viele Botschaften haben hier ihren Sitz. Die Paläste aus Glas und Beton überragen die Stadt. Die Preise sind erschwinglich. Das Klima ist durch die See angenehm. Ständig weht ein leichter Wind, der die Hitze erträglich macht. Von den vielen Erdöltürmen habe ich bisher noch keinen gesehen. Die meisten Touristen kommen aus den arabischen Ländern. Das erklärt auch die (wenigen) total verschleierten Frauen. Es ist schon putzig, ihnen beim Essen zuzuschauen! Die Hotels sind in der Hauptsaison ausgebucht. Trotzdem sind mir diese Touristen angenehmer als die Asiaten!

Einziger Nachteil des Landes: Die Hauptattraktionen liegen weit auseinander. Alleine dorthin zu fahren ist sinnlos, sehr häufig können nicht einmal die Einheimischen einem den Weg weisen. Also benötigt man einen Guide um viele der einzigartigen Sehenswürdigkeiten kennen zu lernen.

Am Abend werde ich von Freunden abgeholt. Es geht zum Biertrinken in ein „deutsches Restaurant“. Es gibt Weihenstephan und Krombacher. Das Restaurant befindet sich in einem bewachten Viertel aus mehreren Hochhäusern. Man überlässt mir die Wahl des Sitz-Ortes. Ich entscheide mich für einen Außenplatz, um das angenehme Wetter zu genießen. Es mögen immer noch 26-28 Grad sein. Es sind außerordentlich interessante Gespräche, die hier geführt werden. Rechtsanwälte, Ärzte, Berater internationaler Firmen sind unter den Gesprächspartnern und Vertreter aller Religionen. Nahezu Jeder hat längere Auslandserfahrungen.  Zwei Thesen bleiben mir besonders im Gedächtnis haften: „Those, who escape, will survive!“ und „Der Vorteil in diesem Multi-Kulti-Staat ist die Trennung von Staat und Religion. Hier kann jeder nach seiner Fasson glücklich werden.“ Die zweite These ist so nicht uneingeschränkt haltbar, denn im Mai fanden die „4. Islamic Soldarity Games“ statt und in den Gesprächen ist die Reden von Feinden, von denen man ringsum umgeben ist. Kann aber auch sein, das ich einen recht eingeschränkten Blickwinkel habe.

Später bemerke ich, dass in den Hochhäusern ringsum keine Lichter brennen. Der Quadratmeter Wohnraum kostet in diesem Viertel ca. 5000 Dollar. Nur ca. 5 Prozent der Wohnungen (eher weniger!) sind verkauft. Hinter der Investition stecken berühmte britische Firmen, die auch in Deutschland den Wohnungsmarkt durcheinander bringen. Am nächsten Tag bemerke ich, dass es in Baku viele solcher Viertel mit mehreren hundert Wohnungen gibt, die komplett leer stehen.

5. Tag 2017

5. Tag 2017-07-27

Mein lieber Uropa-Onkel Herrman!

Dein Vater ist mit seinem Bruder, meinem Uropa, aus der Weichselniederung weggezogen. Die neue Aufteilung Polens bewirkte, dass viele Teile Polens jetzt Russisch wurden und das System der Leibeigenschaft eingeführt wurde. Aber Leibeigene gab es in diesem freien Land nicht. Also brauchte man fleißige Siedler, die gute Steuern zahlen konnten.

Du hast mit Deinem Vater Wald gerodet und Eichen gepflanzt, damit ihr als Kinder dereinst in richtigen Häusern wohnen könnt und nicht in den Erdlöchern. Die Bug-Holländer und die Stabbrecher waren gute Lehrmeister, was die Entwässerung der Wiesen hier am Styr anging. Die Erde war fruchtbar aber die vielen Kinder konnte sie noch nicht ernähren. Irgendwann kamen die Werber des Zaren ins Dorf. Ich weiß nicht ob dich das Los traf oder ob du dich freiwillig gemeldet hast. Einer aus dem Dorf musste in den Dienst der Armee des Zaren, warum nicht ein Milbrod. Du warst zwar schon verheiratet und Nachwuchs war auch schon da, aber was macht man nicht alles für das Vaterland. Und die 10 Jahre Grundwehrdienst würden auch vergehen. Zuerst war alles ok, doch dann kam der Befehl gegen die Türken, Verzeihung: gegen die Osmanen, zu ziehen. Es ging weit weg von der Heimat, in den Kaukasus. Nahezu die Hälfte deiner Wehrzeit hast Du hier verbracht.

Öde und trostlos ist die Landschaft hier. Kein Baum weit und breit, nur Büsche und unerträgliche Temperaturn im Sommer. Heute waren es 38 Grad nahezu den ganzen Tag über. Mit den Menschen bist Du sicher gut klar gekommen. Lass doch jeden glauben was er will, Hauptsache man kann eine Familie ernähren. Und das können viele. Fleißig wird Gemüse und Obst angebaut, man glaubt im Garten Eden zu dein. Aber man muss wässern, viel wässern. Mit geschultem Blick hast du bemerkt, dass hier das Hauptproblem liegt. Nachlässig werden die Gräben gezogen und zu oft nur, lieblos gepflegt. Die akkuratesse, die du von zu Hause kennst, fehlt oft. Erst ich in der heutigen Zeit werde sehen, dass auch Wasser knapp sein kann! In den offenen Kanälen verdunstet zu viel und Tropfenbewässerung können oder wollen sich die Leuten nicht leisten, solange es auch anders geht. Doch manchmal liegen diese Oasen des Ackerbaues sehr weit auseinander in der glühenden Steppe. Dann ist die Steppe hügelig und von tiefen Furchen durchzogen. Ach, und der Glauben. Sie haben keine protzigen Moscheen - einfache Gebetshäuser tun es auch. Und es wird viel gebetet. Ihre Frauen tragen kein Kopftuch oder Schleier. Nur in den Städten wird der Schleier von den feinen Damen getragen, die sich für die Hausarbeit mehrere Bedienstete leisten können. Auf dem Lande arbeiten die Frauen, genauso wie auch deine Frau, auf dem Felde mit. Man schützt die Haare vor dem Staub mit dem Kopftuch, mehr nicht. Na und beim Gebet da achten die Frauen schon auf das Kopftuch, gleichgültig ob Muselmane oder Christ, so wie es in der Schrift geschrieben steht.

Deine Frau ist etwas Besonderes. Lässt einfach eure Tochter zu Hause bei Verwandten und reist dir hinterher. Drei Jahre bleibt sie bei dir im Heerlager. Die Frucht Eurer Liebe ist hier zur Welt gekommen, ein strammer Junge. Überhaupt hast Du großes Glück in Deinem Leben gehabt und nicht jede Entscheidung die du getroffen hast war falsch. Nach deiner Rückkehr von der Armee des Zaren hast du noch lange im Heimatdorf in Wolhynien gelebt. Es war dein Wunsch in der Heimaterde begraben zu werden. Rechtzeitig bist du zurück in die Weichselniederung umgesiedelt. Dein Sohn hat dir Freude bereitet und ist Offizier in der Polnischen Kavallerie geworden. Ob er bei den Opfern von Katyn dabei war ist ungewiss. Deine Tochter hat das Gemüt der Mutter geerbt, ich habe sie noch kennenlernen dürfen. Vier Männer hat sie beerdigen müssen. Kinder hatte sie nur mit dem ersten gehabt. Leider verstehen die beiden Kinder sich nicht so besonders.

Lieber Uronkel. Ich sitze hier in Baku, der Ort, der in deiner Geburtsurkunde steht. Es hat sich nicht viel geändert hier. Die klebrige Masse, derentwegen man dich hierher geschickt hat, bestimmt immer noch das politische Leben. Naphthalin ist nicht nur gut als Lampenöl zu gebrauchen sondern ist heute ein Rohstoff, der wertvoller ist als Wein. Aber glaube nicht, dass dadurch alles zu Wohlstand und Sauberkeit gekommen ist. Die Gebäude wirken ein wenig verspielt. Vieles wird erst einmal angefangen und nicht immer beendet. Manches baut man auch nur, weil man es machen muss. Die Leute dienen dem Fürsten halbherzig, morgen könnte es ja ein anderer sein. Schulen, wie wir sie in den deutschen Dörfern zu Hause kennen, scheint es nicht zu geben. Die Leute haben Mühe beim Schreiben und Lesen, aber sind allem Neuen aufgeschlossen. Es steht uns nicht zu, ihnen Ratschläge zu geben. Es sind Menschen wie Du und ich, die Kinder haben und zusehen müssen dass diese genug zu essen haben. Sie leben eben anders. Alles andere ist Politik und geht uns nichts an. So sind wir erzogen worden und so wollen wir es halten.

In Lieber Uronkel. Es zieht uns hinaus in die Welt. Ob als Siedler auf der Suche nach einem besseren Leben oder als oder als Traveller. Du warst nicht freiwillig hier - ich habe mir einen Traum erfüllt. Aber sonst gibt es keinen Unterschied.

Dein Groß-Ur-Enkel Egon

 

3. Tag 2017

3. Tag 2017

4 Stunden verbringe ich mit dem Schreiben der Berichte und dem hochladen derselben. Zeit, die ich in meinen Augen sinnvoller verbringen könnte. Sogar einige Bilder sind dabei. Emails checke ich nicht ab. Hoffentlich ist das jetzt nicht die tägliche Prozedur.

Gegen Mittag traue ich mich den Berg hinunter zu fahren. Meine erste Adresse ist der Bischof der Lutheraner Kirche in Georgien. Obwohl er wenig Zeit hat empfängt er mich. Es ist für mich ein anregendes Gespräch gewesen. Das Gelände ist relativ groß und beinhaltet einen Teil des ehemaligen deutschen Friedhofes. Die eigentliche Lutheraner Kirche im Stadtzentrum hat Stalin von deutschen Kriegsgefangenen abreißen lassen. Als Entschädigung erhielt die Kirche das neue Gelände und durfte nach eigenen Entwürfen diese Versöhnungskirche bauen. Im Gemeindebrief, den er mitgab, ist die Deportation 1942, teilweise von eigenen Verwandten vorgenommen, ausführlich als Erlebnisbericht beschrieben. Ja, wir haben in diesem Jahr das Jahr der Deutschen in Georgien. Dazu gehört nicht nur der 200. Jahrestag der Besiedelung durch schwäbische Flüchtlinge! Heute wird nur wenig Deutsch gesprochen. Die Alteingesessenen sprechen Georgisch, Russisch oder Englisch. Deutsch wird nur von Touristengesprochen oder von jungen Leuten, die hier wegen eines Business sind. Jeden Tag treffe ich mindestens ein Touristen-Paar oder einen Business-Men irgendwo.

Die zweite Adresse heute ist die „Crossriders Bar“, in der sich die Motorradfahrer treffen. Die Straße existiert, die Bar nicht, oder ich bin zu blöd. Stattdessen treffe ich bei einem Fotostopp Australier, die durch Osteuropa touren und sich hier auf die Rückfahrt nach Prag vorbereiten.

Ich bin faul geworden. Statt des City-walk nehme ich den Touri-Bus um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten kennenzulernen. Es gibt kein Deutsch im Bus, aber Ukrainisch, Russisch und Englisch. Damit sind die Hautpreiseländer genannt. Der Grundtenor in den Erklärungen ist: Wir befinden uns in einem Schmelztiegel der Kulturen. Menschen aus aller Herren Länder leben hier in diesem schönen Land, welches Gott eigentlich für sich auserkoren hatte. Dass tolerieren nicht zwangsläufig auch akzeptieren heißt, merke ich an den Blicken wenn verschleierte Frauen vorüber gehen. Hoffentlich dauert es nicht noch einmal 500 Jahre, bis ein muslimischer Luther auf dem Plan steht. Seine Kernaussage ist immer noch: „Wo steht das geschrieben?“. Stattdessen ist der Koran unlesbar und darf nicht übersetzt werden. Alte Männer erklären von der Kanzel was gut und schlecht ist. Das kenne ich aus der DDR, wo der Parteisekretär bestimmte was man zu denken hatte!

Ja, ich bin faul geworden. Nach dem Abendessen bereite ich den morgigen Tag vor und gehe früh (gegen 23.00 Uhr) schlafen. Ich denke an Alexander und versichere, dass auch ohne Wein mich langsam der Geist der georgischen Künstler ergreift.

4. Tag 2017

Tag 4  2017-07-26

Das ist der Rhythmus, den ich brauche!

Frühstück – na ja!!! Das Butterstück ist größer als die Käsescheibe. Kaffee als Instant-Kaffee und Marmelade und ein warmer Salat aus Reis mit Rosinen, Pfirsichen du allerlei süßen Früchten. Muss man mal gegessen haben! Kein Saft, Wasser aus der Wasserleitung.

Pünktlich kurz vor der Abfahrt und dem Hochladen der Berichte steigt das Internet aus.

Herunterfahren von dem Berg in der Altstadt mit vollem Gepäck, aber es klappt. „Folklore“ auf halber Strecke. Es ist üblicherweise, und so auch leider in diesem Fall, nur eine Frage, die ausschließlich von Männern gestellt wird: Wie teuer ist das Motorrad! Und deswegen wird man angehalten!!!

Check des Luftdruckes an einer Tankstelle. Wozu ich wissen will, wie viel Bar im Reifen sind? Wenn er platt ist wird gepumpt und ansonsten ist er gut!

Erste Station ist Bolnissi. Wie viele Namen diese Stadt hatte, weiß heute kaum Jemand. Luxemburg, Katharinenfeld und schließlich eingemeindet mit dem kleineren Bolnisi. Versteckt stehen die Hinweisschilder zu den deutschen Siedlungsgebieten, als wenn man sich schämt diese Menschen von hier vertrieben zu haben. Auch wenn ich die Hauptkirche nicht finde, so finde ich das Ehrenmahl. Aber ich komme (hoffentlich) wieder. Erstaunlich ist für mich die Effizienz auf den kleinen Feldern. Die Bewässerung ist in einem hervorragenden Zustand und die Erträge reich; auch wenn die Felder sehr klein sind. Ein Morgen oder zwei sind die durchschnittliche Größe.

An der georischen Seite der Grenze werde ich mein Kleingeld los. Auf Azerbeijaner Seite benötige ich nur eine Stunde!!!! Das elektronische Visum wird anerkannt. In der grünen Karte ist Azerbeijan durchgestrichen, kostet 10 Dollar! Was soll´s, so habe ich wenigstens gleich ein paar Manat! Aber die gehen gleich für Sprit drauf. Für ganze 2,50 Euro tanke ich voll!

Warum nur müssen sich muslimische Länder so ähneln? Man meint in Disneyland 4 zu sein, dabei geht es den Leuten wirklich nicht gut. So oder so ähnlich muss in Nord-Korea aussehen. Sehr viel erinnert mich an Libyen. Der Fahrstil ist unerträglich! Von wegen: Fahr vorsichtig!

Annenfeld in Azerbeijan muss seinerzeit reich gewesen sein. Von den 40 000 Einwohnern ist keiner aus der Verbannung zurückgekehrt Ich möchte unbedingt ein Foto von der Kirche machen. Aber zuvor fällt mein Blick eine Bank auf. Ich habe noch kein Geld! Zuerst will der Bankangestellte nicht Euro tauschen sondern nur Dollar. Nachdem sich weitere 4-6 Kollegen versammelt haben um den bekloppten Motorradfahrer zu bestaunen, ist er bereit 50 Euro zu tauschen. Großes Entsetzen, als ich die getauschte Summe nicht nachzähle sondern wegstecke. Auf meine Bemerkung, dass ich in einer Bank bin wo man zählen kann und nicht unter Banditen herrscht Hochachtung. Ein Bankangestellter wird abgeordnet, mir die Kirche zu zeigen! Den angebotenen Tee beim Wachmann schlage ich nicht aus, auch wenn ich nicht alles verstehe was er mir erklären will. Aber in das Gästebuch der Kirche trage ich mich ein. Ich bin in den letzten 10 Tagen der zweite Eintrag! Die ganze Straße um die heute ungenutzte Kirche sieht sehr deutsch aus. Alles hat mehr oder weniger mit Wein zu tun.

Mit dem Couchsurfing-Kontakt in der nächsten Stadt geht alles schief. Im Ort gibt es mehr Straßensperrungen und Baustellen als Straßen. Zwei Hotels, die ich im Garmin-Navigator finde, existieren nicht. Hatte ich schon erwähnt dass ich Garmin nicht mag? Straßen werden angezeigt und benannt, aber man kann nicht danach suchen. Die Points of  interest existieren nicht. Toll! Tja, so ist  ebend das weltbeste Navigationssystem, in dem jeder Feldweg eingezeichnet ist. Hoffentlich habe ich bald Geburtstag und irgendjemand schenkt mir TomTom!

2. Tag 2017

2. Tag 2017

Georgien ist ein Entwicklungsland. In vielen Dingen hinkt es noch hinter Albanien hinterher. Alles scheint zu stagnieren. Oder ist es überall auf der Welt so? Ich verzichte auf die 8min-Fahrt mit dem Taxi und gehe zu Fuß zur Lagerhalle. Doch überall versperren mir Zäune den Weg, der ausschließlich aus festgefahrenem Grobsplitt mit tiefen Schlaglöchern besteht. Irgendwann gebe ich auf. Das ist also Georgien. Auch später werden die Straßen nicht besser. Nur mit Mühe fahre ich die 80 km/h auf der Autobahn und muss permanent auf die unebene Fahrbahn aufpassen. Ich erwische ein Taxi. Das ganze Viertel ist etwa so groß wie St. Jürgen, der größte Stadtteil von Lübeck, und heißt LILO 1. Es besteht aus einem sehr großen Basar und vielen verlassen wirkenden Gebäuden. Die Straße, in der sich die Lagerhalle befindet, kennt keiner. Mehr als eine Stunde irre ich mit dem Taxi umher. Der Mensch in der Truck-Registration des Lagerunternehmens weiß nicht, in welcher Straße er sich befindet, geschweige die Hausnummer. Ich warte über eine Stunde und sehe zu, wie er in youtube und facebook surft. Seine Aufgabe besteht darin, dass sich die LKW-Fahrer bei ihm melden und er dann einen Passierschein mit dem PC ausdruckt. Ob er bei uns dafür 450 Euro verdienen würde? Als sich um 10.00 Uhr immer noch nichts getan hat versende ich zwei SMS und eine halbe Stunde später werde ich abgeholt. Um 12.00 Uhr sehe ich das Motorrad zum ersten Mal. Es ist bereits ausgepackt und die Koffer waren beim Zoll. Weitere zwei Stunden später checke ich im Hostel in der Altstadt von Tiblissi ein. Eine größere Reparatur steht an. Das Ersatzteil, welches ich im Koffer hatte, ähnelte einem Hirschgeweih. Das erschwerte das Packen zusätzlich. Bei 32 Grad schwüler Wärme brauchte ich auch 3 Stunden um das Vorderteil des Motorrades zu zerlegen und wieder zusammenzusetzen. Kabelbinder habe ich vergessen, hoffentlich scheuert nicht ein Kabel auf dieser Reise durch. Um 18.00 beginnt meine „Akklimatisation“. Auf Grund der mangelnden Vorbereitung habe ich nicht realisiert, dass Tiflis, Tiblissi, Tbisi auf einem Felsenmassiv liegt. Die Straße zu meinen vorgebuchten Hostel ist ca. 30 Grad steil, das sind 50 Prozent! Die Stadt muss eine Wechselvolle Geschichte erlebt haben, denn Kirchen und Moscheen stehen in unmittelbarer Nähe beieinander. Sie ist heute eine Tourismus-Metropole. Überall wird Englisch verstanden und teilweise ausgezeichnet gesprochen. Die Gesichter hellen sich deutlich auf, wenn ich meine paar Brocken Russisch anwende. Die anderen Sprachen erschließen sich mir nicht. Alles klingt ein wenig wie Türkisch. Die Preise in den Gaststätten sind erschwinglich. Die Menschen sind hier im Stadtzentrum gut gekleidet; Armut ist nicht zu erkennen. Die Festung thront über der Stadt und der Festungsgraben sprengt meine Vorstellung hinsichtlich seiner Größe. Ich lasse den Tag ruhig ausklingen. Eventuell ist morgen meine Lethargie verschwunden.

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  1. 1. Tag 2017
  2. 0 Epilog 2017
   

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