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Abenteuer 2018-19

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Nach dem Frühstück gehen wir zum Pier. Unsere Voucher wurden umgebucht von 11 Uhr auf 13 Uhr. Petrosavodsk ist so groß wie Lübeck und hat genauso wenig zu bieten. Nach einer Stunde sind wir durch. Im Tragflächenboot geht es über den zweitgrößten See Europas. Weit über eine Stunde donnern wir mit 60 km/h über den See, bevor wir Kishi auf einer der 1600 Inseln erreichen. Dieses ehemalige Verwaltungszentrum ist seit dem 20. Jahrhundert ein Freilichtmuseum. Herausragendes Bauwerk ist die 35 m hohe Kirche mit 22 Kuppeln. Sie gilt als das kühnste Bauwerk Russlands das ohne einen Stahlnagel hergestellt wurde und entstand 1714. Die ca. 30 000 Schindeln sind aus Espenholz, denn Espe verzieht sich nicht. Insgesamt gibt es über 60 Bauwerke aus der ganzen Gegend auf dieser Insel. Es ist normaler Betrieb, an diesem Nachmittag legen das vierte und fünfte Kreuzfahrtschiff an diesem Tag mit Touristen an. Dazu pendeln noch 3 Tragflächenboote zwischen Petrosavodsk und Kishi. Nach der Rückfahrt gibt es noch ein kleines Essen, bevor der Tag zu Ende geht. So langsam, mach einer Woche, macht sich die körperliche und geistige Anspannung bemerkbar.

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Wie erwartet regnet es. Statt des Sturmes erhalten wir einen Landregen. Wir fahren noch beim Bischof der karelischen orthodoxen Kirche vorbei, der seine Sommerresidenz in der Straße hat. Im Namen der ACM-Lübeck übergebe ich neben Kleinigkeiten auch einen Satz Akku-betriebener Hörgeräte mit allen Zusatzgeräten. Leider ist Petra bereits zu Beginn der Tour so erschöpft, dass sie den zugereichten Fotoapparat achtlos beiseitelegt und stöhnend nach einer Sitzgelegenheit sucht während ich die Übergabe vornehme.

Wir versuchen die 280 km sehr schnell zu absolvieren, denn nach einer Regen-Fahrt ist es gut die Seele baumeln zu lassen. Diese Nebenstraße ist gut ausgebaut und im Gegensatz zu Deutschland finden die Bauarbeiten auch am Sonntag statt. Der Regen hört langsam auf. Man könnte auf dieser Strecke viele Abstecher machen, aber erstens ist das Wetter nicht schön und zweitens kenne ich das meiste schon. Kultur ist sowieso nur ein Tschaikowski-Konzert in Petersburg (Wer ist Puschkin?). Um 14.30 checken wir ein. Schnell kaufen wir ein wenig ein, denn das Einkaufszentrum hat am Sonntag nur bis 21.00 Uhr geöffnet, und relaxen auf dem Zimmern bis ca. 20 Uhr. Das Internet „hoppelt“ ein wenig, aber auf dem Flur funktioniert es normal.

Entspannt wird noch eine Flasche russischen Champagners auf dem Flur getrunken, bevor es zur Nachtruhe geht. Es sollte ein Tag der Entspannung und Ruhe werden und er ist es geworden.

Abenteuer 2018-19

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Kurz sind die Nächte in der Nähe des Polarkreises. Bereits um kurz nach 6 Uhr halte ich es im Bett nicht mehr aus. Ich schreibe Berichte und checke emails.

Wieder einmal bewahrheitet sich mein Leitspruch: Alles was du in Russland erwartet kommt komplettanders. Mich deswegen als „Berufspessimisten“ zu bezeichnen bin ich gewohnt. Wir kommen nach dem Frühstück gut weg, checken noch den Luftdruck und wechseln eine H7 BMW Abendlichtbirne. Unerwartet schnell, nach ca.50 km, kommt die Grenze. Petra wird separiert und schlägt sich achtbar. Mit meinem Pass oder Visum gibt es offensichtlich Probleme. Aber nach kurz über eine Stunde sind wir durch, auch weil wir die ersten an diesem kleinen Grenzübergang waren.

Dann fängt etwas an, was ich wahrscheinlich erst in einem Jahr bewerten kann: Garmin führt uns von einer Hauptstraße weg und quer durch die Pampa über ca. 180 km zum Ziel. „Pampa“ heisst: Piste, überwiegend Waschbrett, gut festgefahren und „gehobelt“, aber nach 100 km durch Berge und Sumpf. Die letzten Regenfälle haben ziemlich viel Sand über den Schotter gespült. Selten erreichen wir bei diesen 11 -14 Grad eine Geschwindigkeit von 40km/h, denn Petras Krauser-Koffer flattern wie Flügel im Wind. Nach 80 km ist sie nervlich am Ende und droht zu kollabieren. Da sie sich selbst am besten kennt nehme ich nur wenig Einfluss. Die Situation ist für mich ungewohnt, zumal ich „durchheizen“ würde, voll auf Material fahrend! Tja, mit Frauen erlebt man so einiges!

Für die 180 km „russische Wegstrecke“ benötigen wir 8 Stunden. Da ist es nur eine kleine Entschädigung, dass das Hotel nur 25 € die Nacht kostet und das Abendessen mit Getränken für 2 Personen bei ca.20 Euro liegt.

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Es kann nur besser werden. Für diese 180 km habe ich keine Zeitvorgabe gemacht und das war gut so. Start ist gegen 11 Uhr und weil Petra mir nicht glaubt dass es hier nur eine Straße gibt, gibt sie die Ziel-Koordinaten selbst in mein Navi ein. Nach der üblichen Polizeikontrolle am Ortsausgang erreichen wir auf dem „schlechten Asphalt“ zuerst 40 dann 30 km/h. Ein nicht unerheblicher Teil der Strecke kann nur im Schritttempo befahren werden. Ich sehe zum ersten Mal, dass Bäume aus der Asphaltstraße wachsen. Die wenigen Autos donnern mit über 60 km/h an uns vorbei. Ansonsten das Übliche in dieser Polarregion: blühendes Wollgras, Rentierflechten, Moore und Sümpfe und Bäume, Bäume, Baume. Wir fahren gegen 16 Uhr endlich durch eine Ortschaft und machen eine etwas größere Pause.

Das Hotel liegt 10 km ausserhalb des Ortes. Es macht einen guten Eindruck. Der Wirt ist  sauer, dass ich so große Zimmer nur für jeweils eine Person gebucht habe. Mit mehreren Personen könnte er einen höheren Gewinn machen. Versöhnlich macht er uns ein warmes Abendbrot. Die Getränke hierfür lässt er mit dem Taxi heranschaffen. Es heißt früh zu Bett gehen, denn um 6 Uhr soll der Wecker klingeln. Obwohl der Tag fahrtechnisch nicht allzu anspruchsvoll sondern nur lang war, schlafe ich ruhig ein.

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Es geht zum Archipel GULAG. Aufstehen um 6.00 Uhr, Frühstück und um 7.00 Uhr wartet das Taxi. Das Schiff legt um 8.00 ab, und wir sollen 1 – 1,5 Stunden vorher da sein, aber der Wirt meint dass alles in Ordnung ist. Unsere Voucher werden nicht akzeptiert, wir sollen unsere Karten an Bord bekommen. Es ist verrückt, aber gerade als wir an der Gangway ankommen, werden wir auch schon aufgerufen und an Bord gebeten. Nach uns folgen 200Menschen, die artig vorher da waren und bereits eine Karte besitzen. Ich bin das erste Mal in Russland geschockt: ES FUNKTIONIERT ALLES!

Mach 2 Stunden Fahrtzeit erreichen wir das Kloster. Viel hat sich nicht geändert. Wir schließen uns einer deutschen Reisegruppe an und bekommen so eine kostenlose Führung durch Räume, die wir sonst alleine nicht betreten könnten. Berühmt wurde dieses Kloster durch seine außergewöhnliche Lage, nur 160 km vom Polarkreis entfernt. Schon immer sicherten sich die Mönche den Lebensunterhalt damit, indem sie Gefangene des Zaren beherbergten. Manchmal waren es bis zu 20 Gefangene gleichzeitig. Während der Genosse Lenin nur 1000 Leute hier unterbrachte hat der Genosse Stalin hier 70 000 Menschen gleichzeitig vom Sieg der Guten Sache und des Sozialismus überzeugt. Zahlen darüber, wie viele als überzeugte Kommunisten überlebten, gibt es nicht, denn Volksfeinde müssen vernichtet werden. –gegenwärtig ist man bemüht die Spuren von 70 Jahren Sozialismus oder Kommunismus zu beseitigen und das Kloster in einem akzeptablen Zustand wiederherzustellen.

Petras Weltbild beginnt gerade die ersten Risse zu bekommen, dabei stehen die Höhepunkte noch bevor! Die 2,5 Stunden Passage zusammengepfercht auf einem kleinen schmuddligen Schiff ohne Toilette und Verpflegung mit weiteren 150 Passagieren gibt ihr den Rest und viele Denksportaufgaben über dieses Land.

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Petroglyphen sind Zeichnungen aus der Steinzeit. Es soll auch in Deutschland welche geben. Aber hier bei Belomorsk gehören sie zu den „big five“ von Karelien. Immerhin durchschnittlich 25-30 Touristen kommen täglich zu dieser außergewöhnlichen Sehenswürdigkeit. Vor 2 Jahren war alles überschwemmt, in diesem Jahr ist alles trocken gefallen und wir spazieren auf den Steinzeichnungen umher. Erst 1926 wurden diese ca. 2000 Darstellungen aus der Zeit von 6000 bis 5000 v.u.Z. zufällig entdeckt.

Anschließend ca. 350 km „Autobahn“. Der Verkehr wird dichter und die Temperaturen höher. Gegen 16 Uhr erreicht das Thermometer die 30 Grad und wir haben noch 180 km vor uns. Die Überholvorgänge werden immer schwieriger weil wir das erste Mal in Russland Gegenverkehr haben. Irgendwann erreichen wir das Hotel. Eigentlich wollte ich nie wieder in dieses Hotel, aber das ist eine andere Geschichte. Stattdessen stelle ich fest, dass mein linker Stoßdämpfer seit dem Morgen massiv an Öl verliert. Hoffentlich hält er bis Petersburg (2 Tagesreisen) durch!

Abenteuer 2018-19

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Irgendwie herrscht immer Chaos! Statt am Vortag zu packen montiere ich mit Joachim noch bis 23.00 Uhr an der Heizung herum. Am nächsten Tag soll es auf Tour gehen. Aber vorher gilt es am Abreisetag einen Geburtstag in Rendsburg zu feiern - ist ja gleich um die Ecke. Bei der Rückkehr vom Brunch warten schon die Straßenbewohner, denn unser jährliches Straßenfest hat bereits begonnen. Gegen 21.00 halte ich es nicht mehr aus und verabschiede mich. Eine Stunde später bin ich an der Fähre nach Helsinki. Pünktlich zum einschiffen trifft Petra ein. Eigentlich wollte sie noch später kommen – denn die Fähre legt erst in 3 Stunden ab. Aber bereits um kurz nach Mitternacht ist Nachtruhe für uns angesagt.

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See-Tage sind erholsam. Erst gegen 10 Uhr gehen wir zum Frühstück. Überwiegend Familien mit Kindern haben diese Überfahrt an einem Sonntag nach Finnland gebucht. Ich erwische, auch weil das Schiff nicht ausgebucht ist, einen idealen Arbeitsplatz mit Blick auf die Ostsee. Während ich einen Artikel über die letzte Charity-Aktion in Omsk schreibe und meine Sachen sortiere, ruht sich Petra aus. Muss ja auch sein! Die inneren Uhren werden runter gefahren! Sehr schnell ist es Nachmittag und Zeit für einen Bummel über das Schiff. Zum Glück habe ich mir kein Buch mitgenommen, denn Petra erzählt viel. Beim Abendessen muss ich aufpassen, denn es gibt ein sehr gutes Buffet-Essen. Da kann man schon mal etwas zu viel auf seinem Teller haben. Ein Spaziergang auf dem Deck rundet den Tag ab. Wir genießen den Sonnenuntergang! Weil die Seeluft so müde macht gehen wir zeitig zu Bett.

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Beim Ausziehen der Stiefel stelle ich fest, dass ich Schwimmhäute zwischen den Zehen habe. Während der 10 Stunden Fahrt hat es die Hälfte der Zeit in Strömen geregnet. Na gut, in der anderen Hälfte der Zeit wechselten sich Schauer mit Sonnenschein ab. Ich hätte nie geglaubt, wie  warm 17 Grad sein können. In den Regengebieten betrug die Temperatur nämlich nur 11 Grad. Zur gleichen Zeit herrschen in Deutschland Temperaturen von deutlich über 30 Grad. Aber was ist schon ein Temperatursturz von 20 Grad wenn man das Abenteuer sucht!

Das Hotel ist etwas teurerer aber entspricht Petras Vorstellungen. Dabei hat sie nur einen oberflächlichen Eindruck gewinnen können. Die ganze Schönheit des Hotels hier im Nationalparkzentrum erschließt sich erst beim Rundgang um das Gebäude. Die Seenlandschaft, der Wald, ein Boot oder ein großes Tipi, all das ist sehr authentisch. Das Hotel selbst ist sehr verwinkelt und man kann die einzelnen Gänge und Ecken des Hotels „erobern“. Nach unserer Ankunft um 20 Uhr steht uns allerdings nur der Sinn nach einer warmen Dusche und warmes Essen. Es gibt Fisch, denn wir sind in Mittelfinnland, genauer in Karelien. Der Ort Kuhmo ist das Zentrum der Kalevala, das ist hier genauso wie Mozart für die Österreicher, Wagner für die Deutschen und Tschaikowski für die Russen. Also uninteressant, denn man kennt es nicht.

Völlig kugelrund gefuttert und voller Fahr-Erlebnisse im Kopf geht dieser Tag zu Ende in der Hoffnung, dass es demnächst besseres Wetter gibt.

   

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