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Wir fahren etwas früher los, um der Hitze zu entgehen. Die frühlingshaften 38 grad sollen im laufe des Tages etwas steigen, weil wir auf der 4spurigen Straße nach Süden fahren. Wenn man sehen will, was es heißt ein Land in die Steinzeit zu Bomben, dann sollte man nach Kambodscha fahren: in den letzten 100 Jahren war es besetzt durch Thai, Japaner, Franzosen, Amerikaner, Kommunisten wie den roten Khmer, Vietnam, UNO und ist erst seit 20 Jahren unabhängig. Das  Bildungsniveau ist trotz großer Anstrengung selbst für asiatische Verhältnisse schlecht. Es fehlt an ausgebildeten Lehrern. 3 Millionen Tote allein in der Zeit der roten Khmer, darunter alle mit Universitätsabschluss. Nur 30 % der Kinder geht nach der Grundschule (6.klasse) weiter. Extreme Armut konnte ich nicht entdecken. Die buddhistische Gleichgültigkeit führt zu laxen Kontrollen und auf die tägliche Existenzsicherung ausgeprägtes Leben. Nahezu jeder ist Tagelöhner, feste Arbeitsverhältnisse sind selten. Behördenangestellte und Lehrer haben eine Krankenversicherung und Pensionsanspruch. Die Klöster boomen! Polizei sehe ich selten.Auf dem Lande gibt es Projekte, zum Beispiel ein kostenloses, aus Schweizer Spenden finanziertes Ambulatorium. Wer morgens um 3 keinen Platz in der Warteschlange hat, kommt an diesem Tag nicht in ein Behandlungszimmer. Man liegt zwar gerne in der Hängematte (es gibt sogar Hängematten-Restaurants), aber das täuscht nicht darüber hinweg, dass fleißig gearbeitet wird und nur der Hitze geschuldet ist (35-38 grad im Frühling, obwohl es im Sommer nicht wesentlich mehr werden, nur feuchter!). Auch die Sauberkeit ist deutlich besser als in Arabien, obwohl noch viel mehr möglich wäre. Es gibt eine geregelte Müllabfuhr und ein Flaschen-Recycling. Ein Schweizer hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Musterfarm aufzubauen. Jetzt, nach 12 Jahren, ist es ein rundes Konzept mit Schule, beruflicher Qualifizierung in Fischzucht, Gartenbau (Vanille), holzverarbeitenden Tätigkeiten und Hotel.

Wir kommen in Phnom pen an. Es ist keine „gewachsene“Stadt. Es wird gebaut wo nötig und wo Platz ist. 2 Millionen Einwohner auf 680 Quadratkilometer ist es etwa so groß wie Hamburg. Wir genießen  im „Berlin“ unser Bier und das Holsteiner Schnitzel. Muss sein. Ein Absacker in der Sky-Bar beschließt den Tag.