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9. Tag

Der Papst war da, alle Würdenträger dieser Welt aus Ost und West waren da, und ich war auch da. 

Leicht machen es die Türken einem nicht, die Hagia Sophia zu finden und zu besuchen. Aber nach einigen Mühen und herumfragen und vielen Roaming-Kosten (weil ich kein Zweitgerät mit türkischer Karte habe) habe ich sie gefunden. (https://de.wikipedia.org/wiki/Hagia_Sophia) Ein wenig versteckt liegt sie auf dem Gelände des Palastbezirkes des Sultans am goldenen Horn. Ja, es hat sich gelohnt und ein wenig meditiere ich im Innenraum am Rande über die Gewaltigkeit und Zeitlosigkeit dieser 1500 Jahre! Welch ein Bauwerk! Auch wenn Herr Erdogan den Mittelpunkt der Welt verschämt unter einem grünen Teppich versteckt, ist sie immer noch gewaltig. Natürlich wird die andere Moschee auf dem Gelände schöner, besser, prachtvoller sein, falls sie fertig restauriert wurde. Aber bis dahin ist Herr Erdogan eventuell nicht mehr und die Hagia wird dann wieder Museum und Basilika sein.

Den Eintritt für den Palast, so schön er auch sein mag, von 20 Euro spare ich mir. Immerhin ist die Gesamte Palast-Anlage gut 1-2 Quadratkilometer groß und gut von Touristen frequentiert.

Ich mache mir so meine Gedanken: Ja, ich bin in Byzanz. Kein Türke kann sich vorstellen, dass intelligente Menschen ihr Stadtviertel jemals verlassen. Selbst im Hilton Hotel gibt es keinen Stadtplan, nichteinmal auf türkisch. Anscheinend weiss hier jeder alles, nur lesen und schreiben kann man nicht. Die wenigen Hinweise auf englisch an den Hauptrouten (dahin muss man erst einmal kommen!) sind nicht wirklich hilfreich. Zu den begehrtesten Berufen gehören Verkäufer von Kleinigkeiten. Die Unterste Kaste sind Reiseführer. Hoch angesehen sind Berufe wie Kuli oder Müll-Trenner. Anscheinend ein Lehrberuf ist der Tee-Bringer für die Händler! Die Kings sind Kraftfahrer jeder Art, sie haben alle Rechte und keine Pflichten. So muss Byzanz heute aussehen. Nein, bei allen Erkenntnissen, die ich heute gewonnen habe, ich bereue nichts. Auch nicht, dass wir bei unserer Toleranz bald Servicegebüren für jede Art der Dienstleistung in selbst festgelegter Höhe einführen, dass Basare unsere Straßen verstopfen nur damit jeder eine Art von Handel treiben kann und die Arbeitslosigkeit senkt. Dass wir ökologisch mit Plastegeschirr unsere Delikatessen, die Ausdruck der Lebensweise sind, genießen – alles ist gut und nützt der Umwelt! 

Bei erträglichen 28-32 Grad explodiert die Natur förmlich. Mal sehen was der Tag morgen bringt. Ich habe mir 2 schwere Etappen vorgenommen, um es danach ruhiger angehen zu lassen. Der Ruhetag heute tat mir und meiner Seele gut.  

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Egon Milbrod